Aufwand für das KleingedruckteZehn Arbeitstage Lesezeit

29. September 2026

Das Kleingedruckte zum Datenschutz, das den digitalen Alltag einer ganz gewöhnlichen Familie begleitet, kann mehr Wörter umfassen als das gesamte Werk von William Shakespeare, so eine neue Studie der Web3 Foundation. Die Ergebnisse erscheinen zu einem Zeitpunkt, an dem Deutschlands Datenschutzbehörden einen stärkeren Datenschutz durch Technikgestaltung fordern.

Die unabhängigen Datenschutzbehörden in Deutschland haben stärkere Rechte für betroffene Personen und mehr Verantwortung der Technologieanbieter gefordert, zusätzlich zu den bestehenden Anforderungen an Datenschutz durch Technikgestaltung.

Das Whitepaper „Everyday Surveillance: What One Ordinary Day May Reveal About You“, untersuchte sechs evidenzbasierte Modellhaushalte im Vereinigten Königreich und in den USA. Beim modellierten britischen Familienhaushalt umfassten 257 Datenschutz- und Nutzungsbedingungen für Verbraucher 1.184.835 Wörter. Das sind 34 Prozent mehr als Shakespeares 884.647 Wörter.

Die Lektüre würde rund 83 Stunden beziehungsweise 10,4 Arbeitstage dauern. Beim modellierten US-Familienhaushalt waren es 233 Dokumente mit insgesamt 1.118.224 Wörtern. Das entspricht einer Lesezeit von 78,3 Stunden beziehungsweise 9,8 Arbeitstagen à acht Stunden.

Von 143 durch die Web3 Foundation untersuchten Organisationen beschreiben 83 Prozent die Möglichkeit, personenbezogene Daten für Marketing oder Werbung zu nutzen, 71 Prozent die Möglichkeit der Weitergabe an kommerzielle Partner und mindestens 24 Prozent verfügen über Dokumente, in denen angegeben wird, dass Nutzerdaten zum Trainieren oder Verbessern von KI- oder Machine-Learning-Systemen verwendet werden können.

Die Studie erhebt nicht den Anspruch, eine nationale Umfrage zu sein oder die Praktiken sämtlicher Nutzer abzubilden. Sie untersucht dokumentierte Möglichkeiten und Berechtigungen anhand evidenzbasierter Modellszenarien mit alltäglichen digitalen Diensten und Systemen im Vereinigten Königreich und in den USA.

In der Studie wurde das getan, was Verbrauchern empfohlen wird: Es wurden die Datenschutzrichtlinien gelesen. Für den modellierten britischen Familienhaushalt bedeutet ein einziger gewöhnlicher Tag mehr als zehn Arbeitstage Lesezeit. Nichts davon ist verborgen. Im Gegenteil: Es wird öffentlich und vollständig offengelegt, allerdings in einem Umfang, der faktisch wie Verschleierung wirkt.

Bemerkenswert ist in diesem Zusammenhang, wie viele Daten bereits durch ganz gewöhnliche digitale Aktivitäten entstehen können. Der Bericht wirft die Frage auf, ob man die Dienste anders gestalten sollte, etwa indem Menschen nur das Notwendige nachweisen, ohne routinemäßig die zugrunde liegenden Informationen offenzulegen.

Gavin Wood ist Gründer der Web3 Foundation.

Zum Whitepaper „Everyday Surveillance: What One Ordinary Day May Reveal About You“

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