Künstliche Intelligenz in der Software-EntwicklungDeutschland setzt auf generative KI, zögert aber bei Agentic AI

16. April 2026

56 Prozent nutzen bereits generative KI in der Software-Entwicklung – zugleich verzichten mehr Unternehmen als anderswo noch komplett auf KI-Agenten. Zu diesem Ergebnis kommt der aktuelle „State of AI Development Report“ von Outsystems.

Deutschland zeigt beim Einsatz von Künstlicher Intelligenz (KI) in der Softwareentwicklung ein widersprüchliches Bild: Einerseits setzt bereits mehr als die Hälfte (56 Prozent) der befragten Unternehmen branchenübergreifend auf generative KI für die Anwendungsentwicklung, gleichzeitig ist mit neun Prozent der Anteil der Unternehmen, die KI-Agenten noch gar nicht nutzen, hier am höchsten – so der aktuellen State of AI Development Report von OutSystems, für den weltweit rund 1.900 IT-Verantwortliche befragt wurden.

Weltweit gesehen ist die Entwicklung bereits fortgeschritten: 96 Prozent der Organisationen nutzen KI-Agenten in einer gewissen Form und 97 Prozent prüfen unternehmensweite Strategien für agentenbasierte KI. Damit verschiebt sich der Fokus zunehmend von Pilotprojekten hin zum produktiven Einsatz in geschäftskritischen Prozessen.

Mit der schnellen Verbreitung von KI wird es für Unternehmen zunehmend schwieriger, bei der Steuerung und Kontrolle mitzuhalten. Laut dem Bericht sorgen sich weltweit 94 Prozent der befragten Organisationen, dass der wachsende KI-Einsatz die Komplexität erhöht, technische Altlasten verschärft und neue Sicherheitsrisiken schafft. Gleichzeitig verfolgt bislang nur ein kleiner Teil der Unternehmen einen zentralen Ansatz für die Steuerung agentenbasierter KI. Die meisten nutzen solche Systeme bislang in isolierten Umgebungen.

Agentenbasierte KI stellt eine bedeutende Weiterentwicklung früherer KI-Anwendungen dar, da sie in der Lage ist, eigenständig Arbeitsabläufe auszuführen, Entscheidungen zu treffen und sich in Echtzeit an Änderungen anzupassen. Gartner prognostiziert, dass bis Ende 2026 rund 40 Prozent der Unternehmensanwendungen über aufgabenspezifische KI-Agenten verfügen werden. Das zeigt klar, wie schnell autonome Systeme in Unternehmenssoftware Einzug halten. Laut dem Report schätzen 49 Prozent aller Befragten ihre Fähigkeiten im Bereich agentenbasierter KI als fortgeschritten oder auf Expertenniveau ein.

Der Reifegrad beim Einsatz von KI-Agenten variiert je nach Region. Viele Unternehmen in Australien, Brasilien, den Niederlanden, Großbritannien, den USA sowie auch in Deutschland berichten von mittleren Fortschritten, während Frankreich noch am Anfang steht. Besonders im Finanzsektor und in der Technologiebranche ist der Anteil produktiv eingesetzter Lösungen am höchsten.

International zeigen sich die Auswirkungen agentenbasierter KI derzeit am deutlichsten in IT und Softwareentwicklung, wo sich der Mehrwert vergleichsweise gut messen lässt. Im Durchschnitt sagen 31 Prozent der Befragten, dass KI bereits ein fester Bestandteil ihrer Entwicklungsprozesse ist; weitere 42 Prozent haben KI in einzelne Phasen des Softwareentwicklungszyklus integriert. Da sich der Nutzen von KI-Agenten in Entwicklungsumgebungen zunehmend bestätigt, setzen inzwischen 52 Prozent der Unternehmen auf ein sogenanntes „Human-on-the-Loop“-Modell: Die Systeme arbeiten weitgehend eigenständig, bleiben dabei aber unter menschlicher Aufsicht.

Klassische IT-Hürden bremsen den Einsatz

In Deutschland entwickeln 56 Prozent der befragten Unternehmen bereits Software mit Unterstützung generativer KI. Damit hat generative KI die traditionelle Programmierung (40 Prozent) als häufigste Methode bereits überholt. Der Schritt hin zu agentenbasierter KI bleibt jedoch zurückhaltend.
Als größte Hürden für dieses Zögern nennen Unternehmen vor allem klassische IT-Themen: die Integration in bestehende Systeme (38 Prozent), Legacy-Systeme (34 Prozent) sowie Governance- und Compliance-Anforderungen (31 Prozent).

Auch bei der Erfolgsquote von KI-Projekten zeigt sich Zurückhaltung: Nur 9 Prozent der Befragten geben an, dass 76 bis 100 Prozent ihrer Projekte erfolgreich sind. Auffällig ist zudem, dass deutsche Unternehmen fehlende Kompetenzen vergleichsweise selten als Problem nennen (25 Prozent). Die Herausforderungen liegen damit weniger im Know-how als vielmehr in Struktur, Integration und Steuerung.

Der Übergang von KI-Experimenten hin zu messbaren Geschäftsergebnissen ist keine Zukunftsvision mehr – er ist bereits Realität. Die Ergebnisse des State of AI Development Report zeigen einen grundlegenden Wandel: Software zu entwickeln und KI-Systeme zu entwickeln ist heute praktisch ein und dasselbe. Während sich Unternehmen in Richtung eines Systems aus KI-Agenten bewegen, geht es nicht mehr nur um die Einführung von KI. Entscheidend ist vielmehr, eine stabile architektonische Grundlage zu schaffen, die diese komplexen intelligenten Systeme koordiniert und so echte Produktivitätsgewinne ermöglicht.

Mehr Kontrolle über Agentic AI

Trotz dieser Dynamik bleibt die Fragmentierung der Architektur eine zentrale Herausforderung. Weltweit geben 38 Prozent der Unternehmen an, sowohl selbst entwickelte als auch vorgefertigte Agenten zu kombinieren. Dadurch entstehen KI-Stacks, die sich nur schwer standardisieren und absichern lassen. Während zwölf Prozent bereits eine zentrale Plattform zur Steuerung dieser Komplexität eingeführt haben, experimentieren die meisten Unternehmen noch mit Governance-Ansätzen, die je nach Team und Region unterschiedlich ausfallen.

Um diese Lücke in der Steuerung zu schließen, hat OutSystems kürzlich Agentic Systems Engineering vorgestellt – einen neuen, offenen Ansatz für die KI-Entwicklung. Ziel ist es, Unternehmen dabei zu unterstützen, agentenbasierte Systeme kontrolliert aufzubauen, zu verwalten und weiterzuentwickeln.

Methodik

Zur Erstellung dieses Berichts beauftragte OutSystems ein unabhängiges Marktforschungsunternehmen mit der Befragung von rund 1.900 IT-Führungskräften weltweit. Die Umfrage untersuchte den Einsatz von agentenbasierter KI, konkrete Anwendungsfälle, Entwicklungsansätze und Governance-Modelle sowie die Herausforderungen, denen Unternehmen beim Übergang von Pilotprojekten in den produktiven Einsatz begegnen. Die Datenerhebung erfolgte zwischen Dezember 2025 und Januar 2026.

Woodson Martin ist CEO von Outsystems.

Zum State of AI Development Report 2026.

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