Claude wird unsichtbare Wasserzeichen in KI-generierte Texte und Bilder in der EU einfügenIst deren Erkennung nicht narrensicher?

18. August 2026

Claude-Modelle werden unsichtbare, maschinell lesbare Wasserzeichen in KI-generierte Inhalte einbetten. Gemäß dem Verhaltenskodex für die Transparenz von KI-generierten Inhalten des EU-KI-Gesetzes, der am 2. August 2026 in Kraft getreten ist, müssen KI-Unternehmen Möglichkeiten zur Kennzeichnung synthetischer Inhalte einführen.

Die Transparenzregeln des Artikels 50, die für Schlagzeilen über KI-Wasserzeichen sorgten, könnten fälschlicherweise als Cybersecurity-Anforderung interpretiert werden. Das sind sie aber nicht, und diese Unterscheidung ist für jede deutsche Organisation von Bedeutung, die klären möchte, was für sie gilt.

Artikel 50 verlangt von Anbietern und Bereitstellern offen zu legen, wann Menschen mit KI interagieren. Sie verlangt auch KI-generierte Inhalte so zu kennzeichnen, dass sie als künstlich erkennbar sind.

Die weitaus strengeren Sicherheitsanforderungen des Gesetzes, etwa sicheres Systemdesign und Dokumentation von Schwachstellen, gelten nur für Hochrisiko-KI-Systeme und eine geringe Anzahl an allgemeinen KI-Modellen, die als systemisch riskant eingestuft werden. Der Großteil der alltäglichen generativen KI-Nutzung fällt nicht in diese Kategorie. Die Kennzeichnungspflicht selbst sieht für Systeme, die bereits vor August auf dem Markt waren, eine Übergangsregelung bis Dezember 2026 vor. Die aktuelle Einführung erfolgt also vor einem Stichtag, der für bereits bestehende Systeme noch nicht gilt.

Die veröffentlichten Tests dieser Kennzeichnungsmechanismen zeigen ein einheitliches Bild. Bei starken Umformulierungen oder bei Übersetzungen von Texten verlieren die Wasserzeichen ihre Wirkung. Metadaten von Bildern werden durch einfaches Neuspeichern, Formatwechsel oder Screenshots entfernt. Das macht Wasserzeichen nicht nutzlos, aber Organisationen sollten sich nicht ausschließlich auf Wasserzeichen verlassen, um die Echtheit von Inhalten zu überprüfen.

Laut der Keeper-2026-Studie betrachten 26 Prozent der deutschen Sicherheitsverantwortlichen KI-gestützte Social-Engineering- und Identitätsfälschungen als ein Hauptrisiko im Zusammenhang mit KI, wobei Phishing mit 49 Prozent noch höher bewertet wird. Da sich die neuen Vorschriften auf die Offenlegung ausgehender Inhalte konzentrieren und nicht auf den Schutz vor eingehenden Bedrohungen, können sie Organisationen oder Einzelpersonen nicht aktiv vor täuschend echten Betrugsversuchen schützen.

Der Schutz vor KI-basiertem Phishing und Identitätsangriffen erfordert eine identitätsbasierte Strategie, die auf starker Governance, kontinuierlicher Überprüfung und phishing-resistenter Multi-Faktor-Authentifizierung für privilegierte Konten beruht. Durch das Beseitigen dauerhafter Administrationsrechte über das Privileged Access Management wird das Risiko minimiert, dass kompromittierte Anmeldedaten für seitliche Bewegungen im Netzwerk genutzt werden.“

Shane Barney ist CISO von Keeper Security.

Keeper Security

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