Politik diskutiert Abgaben auf KI-generierte WertschöpfungVorhandenes Wissen besser nutzen
21. Oktober 2026
Politische Entscheider in ganz Europa diskutieren über Abgaben auf KI-generierte Wertschöpfung. Aber schon heute können Unternehmen beeinflussen, wie hoch der politische Druck für solche Maßnahmen ausfällt. Werden Entlassungen mit den hohen Kosten für KI-Infrastruktur begründet, wächst der Druck auf die Politik, die Folgen des technologischen Wandels am Arbeitsmarkt abzufedern.
In Deutschland hatte Digitalminister Karsten Wildberger zuletzt eine KI-Abgabe ins Gespräch gebracht, mit der unter anderem die Weiterbildung von Beschäftigten finanziert werden könnte. Frankreich prüft dagegen eine Lizenzgebühr für KI, um Urheber für die Nutzung ihrer Werke beim Training von Modellen zu vergüten.
Diese Ansätze verfolgen zwar unterschiedliche Ziele, verdeutlichen aber, dass die wirtschaftlichen Folgen des KI-Einsatzes zunehmend politische Konsequenzen haben. Je stärker der technologische Wandel mit Stellenabbau verknüpft wird, desto größer wird der Handlungsdruck, die gesellschaftlichen Kosten durch gesetzliche Vorgaben aufzufangen.
Für Unternehmen entsteht damit ein zusätzlicher wirtschaftlicher Unsicherheitsfaktor: Zu den bereits hohen Summen für Investitionen in Rechenleistung, Speicher und KI-Anwendungen könnten künftig weitere Abgaben hinzukommen.
Für Experten liegt die Alternative darin, KI gezielt zur Entlastung von Beschäftigten einzusetzen und parallel deren Kompetenzen weiterzuentwickeln. Die große Chance von KI besteht darin, vorhandenes Wissen im Unternehmen besser zu nutzen. Statt Technologie vor allem als Mittel zur Senkung der Personalkosten zu betrachten, sollten Unternehmen erkennen, dass menschliche Expertise und KI einander ergänzen und zusammen am besten funktionieren, um über Jahre aufgebautes Wissen im Unternehmen zu halten und zu nutzen.
Der Ansatz hat auch wirtschaftliche Vorteile: Unternehmen, die vor der Einführung einer KI-Anwendung deren konkreten Nutzen und den tatsächlichen Bedarf an Rechenleistung ermitteln, können vermeiden, in überdimensionierte Infrastruktur zu investieren. Werden Beschäftigte zudem frühzeitig in die neuen Arbeitsabläufe eingebunden und entsprechend geschult, lässt sich ihr Erfahrungswissen nutzen, um KI-Ergebnisse in den richtigen Kontext einzubinden, Fehler zu erkennen und Prozesse sinnvoll anzupassen. So entstehen Produktivitätsgewinne, ohne dass Unternehmen zugleich das Wissen verlieren, das sie für Erträge aus der Nutzung der Technologie benötigen.
Auch die laufenden Kosten verdienen Aufmerksamkeit. Laut Gartner könnten KI-Programmieragenten bereits 2028 teurer sein als die Gehälter menschlicher Softwareentwickler. Zusätzliche Abgaben würden die Wirtschaftlichkeit solcher Anwendungen weiter beeinflussen. Unternehmen, die KI als Ergänzung ihrer Belegschaft verstehen und einsetzen, statt menschliche Arbeit pauschal zu ersetzen, können ihre Investitionen deshalb breiter absichern: durch bedarfsgerechte Infrastruktur, den Erhalt interner Expertise und den gezielten Einsatz von KI dort, wo sie tatsächlich einen messbaren Mehrwert liefert.
Suvish Viswanathan ist Regional Director für die Region DACH bei Zoho.