Cohesity-Studie zeigt Burnout-Gefahr:Deutsche CEOs haben hohe psychische Belastung durch Cyber-Angriffe
17. August 2026
Die hohe psychische Belastung für CEOs in Deutschland wegen der zunehmenden Bedrohung durch Cyber-Angriffe verdeutlicht eine Studie von Cohesity. Zusätzlich zu der ohnehin schon großen Gefahr durch Angreifer mit wirtschaftlichen Zielen und staatlichen Akteuren, die Spionage betreiben und geopolitische Interessen verfolgen, zeigen aktuelle Zwischenfälle eine weitere Verschärfung: Autonom agierende KI-Systeme können Anzahl und Erfolgsaussichten von Angriffen weiter steigern, was den Druck auf Verantwortliche zusätzlich erhöht.
Laut der Studie empfinden 77 Prozent der deutschen CEOs psychischen Druck durch ihre Verantwortung für Cyber-Sicherheit, 60 Prozent äußern gar die Sorge vor einem Burnout. Nur 49 Prozent sehen sich psychologisch auf ihre Verantwortung in diesem Bereich vorbereitet. Mehr als ein Drittel (36 Prozent) sagen sogar, dass einen nichts auf diese möglichen Folgen vorbereiten könnte.
Die Befragten fürchten als persönliche Konsequenz durch einen Cyber-Angriff auf ihr Unternehmen vor allem die rechtliche Haftung (41 Prozent). Es folgen Rufschädigung (34 Prozent), Karriereknick (33 Prozent), persönliche Haftbarkeit (30 Prozent) und Jobverlust (28 Prozent). Viele haben sogar Angst um die Sicherheit für sich selbst (23 Prozent) oder ihre Familie (17 Prozent).
Die psychische Belastung zeigt, dass vielen CEOs die möglichen Folgen eines Cyber-Angriffs bewusst sind. Entscheidend ist, aus dieser Sorge eine konkrete Vorbereitung abzuleiten. Wer sich frühzeitig mit möglichen Szenarien auseinandersetzt, weiß, was im Ernstfall zu tun ist, und reduziert damit auch den Druck, unter Unsicherheit entscheiden zu müssen. Ein Cyber-Angriff ist nicht mit dem Ausfall eines Rechenzentrums gleichzusetzen.
Unternehmen müssen deshalb vorab festlegen, welche Prozesse, Systeme und Abhängigkeiten sie mindestens benötigen, um handlungsfähig zu bleiben. Das ist ihre Minimum Viable Company. Dieses Ziel muss regelmäßig getestet werden. Nur so lässt sich die Wiederherstellung kontrolliert planen und der Geschäftsbetrieb in einem vertrauenswürdigen Zustand wieder aufnehmen.
Deutsche schlechter auf Angriffe vorbereitet als Franzosen oder Engländer
Die Realität sieht jedoch anders aus. Deutsche CEOs sind laut der Studie schlechter auf Cyber-Angriffe vorbereitet als ihre Kollegen aus Frankreich oder Großbritannien. In Deutschland werden zum Beispiel nur 13 Prozent der CEOs innerhalb von 5 Minuten über eine Cyber-Attacke benachrichtigt, in Frankreich sind es 30 Prozent, in Großbritannien 19 Prozent. Lediglich 49 Prozent der Deutschen haben vorab bereits die finanziellen Auswirkungen eines Cyber-Angriffs abgeschätzt (FR: 64 Prozent, UK: 76 Prozent).
Gleichzeitig erwarten 29 Prozent der deutschen CEOs, dass ihr Unternehmen im Falle einer Cyber-Attacke innerhalb eines Tages wieder voll betriebsfähig ist. Das gilt bei schlechter Vorbereitung jedoch als unmöglich. In Frankreich erwarten nur 16 Prozent diesen Status und in Großbritannien 20 Prozent. In Deutschland glauben 8 Prozent der Befragten sogar, innerhalb einer Stunde den Betrieb vollständig wiederherstellen zu können.
Demnach haben deutsche CEOs im europäischen Vergleich höhere Erwartungen an die Resilienz ihres Unternehmens, bei schlechterer Vorbereitung.
Dabei gab es laut ransomware.live im ersten Halbjahr 2026 über 1,5-mal mehr Angriffe auf deutsche als auf französische Unternehmen. Die Umfrage zeigt also insgesamt, dass deutsche CEOs die Sicherheitslage deutlich unrealistischer einschätzen als ihre Kollegen aus Frankreich oder Großbritannien.
Geeignete Sicherheitsmaßnahmen
Um im Störfall funktionsfähig zu sein, benötigen Unternehmen eine Möglichkeit, die Kontrolle schnell wiederherzustellen. Dazu dient ein so genannter Digital Jump Bag. Dieser sichere, isolierte Speicherort enthält alles Notwendige, um eine Cyber-Reaktion einzuleiten und einen vertrauenswürdigen Ausgangspunkt für die Wiederherstellung zu schaffen.
Zudem sollten Unternehmen das Konzept der Minimum Viable Company (MVC) umsetzen. Darunter versteht man die kleinste Version einer Organisation, die im Notfall weiterarbeiten, Kunden bedienen und ihren Verpflichtungen nachkommen kann. Sie ist die minimale Kombination aus Mitarbeitenden, Prozessen, Technologien, Dokumentationen, Einrichtungen und Abhängigkeiten von Drittanbietern, die erforderlich ist, um den Geschäftsbetrieb unter beeinträchtigten Bedingungen aufrechtzuerhalten. Mit diesen Maßnahmen sind Unternehmen wirklich auf Cyber-Angriffe vorbereitet – und CEOs können dann wieder ruhig schlafen.
Christoph Linden, Director Solution Architecture Europe bei Cohesity.