SentinelOne Annual Threat Report 2026: Industrialisierung moderner Cyber-Angriffe nimmt zu

14. April 2026

Die Analysen der SentinelLABS- und Wayfinder-Teams im Rahmen des Annual Threat Report 2026 zeigen, dass Angreifer heute gezielt die Schnittstellen zwischen IT-Sicherheit und operativem Betrieb ausnutzen; insbesondere in den Bereichen Identität, Infrastruktur und Automatisierung. Resultat: die Industrialisierung moderner Cyber-Angriffe nimmt zu.

Der Report macht deutlich: Die Herausforderung für Unternehmen liegt längst nicht mehr nur im Erkennen einzelner Bedrohungen, sondern im Kontextualisieren großer Datenmengen und im schnellen Ableiten konkreter Maßnahmen. Gleichzeitig verschieben sich Angriffsvektoren zunehmend in Entwicklungsprozesse, Edge-Umgebungen und Identitätssysteme.

Zu den zentralen Erkenntnissen gehören unter anderem:

  • Identitäten werden zum zentralen Angriffspunkt,
  • Softwareentwicklungsprozesse geraten verstärkt ins Visier,
  • Edge-Systeme entwickeln sich zu kritischen Schwachstellen und
  • die Automatisierung bestimmt Tempo und Wirkung von Angriffen.

Der Report versteht sich als praxisnahes Arbeitsinstrument und zeigt entlang von acht Phasen moderner Angriffe, wie Unternehmen ihre Sicherheitsstrategien hin zu mehr proaktiver, kontextbasierter Resilienz weiterentwickeln können.

Identität wird zum Einfallstor und zur Herausforderung zugleich

Identitäten erstrecken sich heute über SaaS-Anwendungen, Cloud-Infrastrukturen und autonome Systeme. Ein einzelnes Konto kann Zugriff auf eine Vielzahl von Diensten haben. Unternehmen sammeln mehr Identitätsdaten als je zuvor, dennoch gehören identitätsbasierte Angriffe zu den schwersten zu erkennenden.

Angreifer nutzen gestohlene Tokens, Phishing und kompromittierte Accounts, um sich mit gültigen Zugangsdaten im System zu bewegen. Der Fokus der Verteidigung muss sich daher verschieben. Nicht allein die Authentifizierung ist entscheidend, sondern die kontinuierliche Überwachung des Verhaltens nach dem Login.

Angriffe verlagern sich in Entwicklungsprozesse

Statt produktiver Systeme geraten zunehmend Build- und Deployment-Prozesse ins Visier. Angreifer kompromittieren CI- und CD-Pipelines, schleusen Schadcode ein oder greifen vertrauliche Informationen ab, noch bevor Software überhaupt in Produktion geht.

Sie bewegen sich damit innerhalb vertrauenswürdiger Entwicklungsabläufe und umgehen klassische Schutzmechanismen. Wirksame Erkennung erfordert Transparenz entlang des gesamten Softwareentwicklungsprozesses und die Fähigkeit, Aktivitäten über längere Zeiträume hinweg zu korrelieren.

Die Angriffsfläche verschiebt sich an den Rand des Netzwerks

Edge-Systeme entwickeln sich zu zentralen Angriffspunkten. Fast die Hälfte der jüngsten Zero-Day-Schwachstellen betrifft diese Bereiche. Gleichzeitig bleiben sie oft unzureichend überwacht und bilden blinde Flecken in der Sicherheitsarchitektur. Häufig sind sie der Einstiegspunkt für weitergehende Angriffe.

Abhilfe schafft kein neues Konzept, sondern die konsequente Umsetzung grundlegender Maßnahmen: veraltete Systeme ersetzen, Logdaten zentral auswerten, kritische Systeme klar segmentieren und Mehrfaktor-Authentifizierung für alle externen Zugriffe verbindlich einführen.

Automatisierung entscheidet über Tempo und Wirkung

Der entscheidende Faktor moderner Angriffe ist nicht allein der Einsatz von KI, sondern die Kombination mit ausgereifter Automatisierung. Sie ermöglicht es Angreifern, Prozesse wie Schwachstellenscans, Credential Harvesting oder laterale Bewegungen massiv zu beschleunigen, oft in Sekundenbruchteilen.

Gleichzeitig hat sich die defensive Automatisierung weiterentwickelt und kann Angriffe zunehmend ausbremsen. Entscheidend ist, automatisierte Reaktionen so auszurichten, dass hochwahrscheinliche Bedrohungen unmittelbar gestoppt werden, statt lediglich weitere Warnmeldungen zu erzeugen. (rhh)

SentinelOne

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