BSI unterstützt Start der AWS European Sovereign CloudFokussiert auf Ausgestaltung von Sicherheits- und Souveränitätsmerkmalen
20. Januar 2026
Bei der Ausgestaltung von Sicherheits- und Souveränitätsmerkmalen der European Sovereign Cloud (ESC) von Amazon Web Services (AWS) unterstützt das Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI). Dabei handelt es sich um eine eigenständige Cloud-Infrastruktur, die sich vollständig innerhalb der EU befindet und deren Betrieb physisch wie auch logisch von der globalen AWS-Instanz unabhängig sein soll.
Um mit digitalen Innovationen Schritt zu halten und gleichzeitig digitale Souveränität zu ermöglichen, verfolgt das BSI eine Doppelstrategie. Erstens: Der europäische Markt und die hiesige Digitalindustrie müssen gestärkt werden. Zweitens: Außereuropäische globale Produkte müssen so angepasst und eingebettet werden, dass eine sichere und selbstbestimmte Nutzung möglich wird.
Voraussetzung dafür sind im Bereich Cloud-Computing innovative Angebote, die als europäische Instanzen sowohl technisch als auch organisatorisch unabhängig betrieben werden. Die Zukunft der Hyperscaler in Europa sind daher Angebote wie die AWS European Sovereign Cloud. Als Cyber-Sicherheitsbehörde Deutschlands trägt das BSI zu deren Konzeption bei. Das BSI will die Umsetzung der Sicherheits- und Souveränitätsmerkmale eng begleiten.
Europa braucht Zugang zu führender Cloud- und KI-Technologie. Die Erweiterung der AWS-Innovationen in Europa soll dabei helfen, das Wachstum der Anwender und ihre KI-Ambitionen voranzutreiben. Anwender können damit die komplette Palette der Cloud- und KI-Services von AWS nutzen können und gleichzeitig sicherstellen, dass sie strengste Souveränitätsanforderungen erfüllen. Der Aufbau einer Cloud, die in ihrer Technologie, ihrem Betrieb und ihrer Kontrolle vollständig europäisch ist, ermöglicht laut AWS allen Organisationen die vollständige Kontrolle über ihre digitalen Ressourcen zu behalten.
Um Souveränität faktisch zu gewährleisten, sollte die AWS European Sovereign Cloud aus Sicht des BSI technische und strukturelle Souveränitätsmerkmale kombinieren: Zu den wichtigsten Aspekten gehört dabei neben der technischen Unabhängigkeit von der globalen Partition ein technisch und organisatorisch eigenständiges Personal der europäischen Cloud-Infrastruktur, das den Regelbetrieb (einschließlich der kontinuierlichen Schließung von Sicherheitslücken) sicherstellt und ausschließlich aus EU-Bürgern zusammengesetzt ist.
Darüber hinaus ist es aus Sicht des BSI unabdingbar, durch technische Kontrollschichten zum einen zu verhindern, dass Nutzerdaten aus dem EU-Raum abfließen können, und zum anderen auszuschließen, dass eine externe Steuerung oder auch Abschaltung (sog. Kill-Switch) der Instanz vorgenommen werden kann. Dies betrifft auch Updates, welche in die ESC eingespielt werden.
Im nächsten Schritt wird das BSI den Status der Entkopplungsfähigkeit und die Umsetzung u.a. der genannten Souveränitätsmaßnahmen prüfen und bewerten sowie zur weiteren Optimierung der Souveränitätsmerkmale der AWS ESC beitragen. Im Laufe des Jahres wird das BSI auf Basis des EU Cloud Sovereignty Framework allgemeine Souveränitätskriterien für Cloud-Computing-Lösungen veröffentlichen. Diese Kriterien sollen als Grundlage für die Bewertung des Autonomiegrades von Cloud-Lösungen dienen und u.a. auch in Beschaffungsprozessen eingesetzt werden können. (rhh)