Corporate Websites und Webprojekte: Optisch ansprechend, technisch aber auch!

28. April 2021

Schlanke Strukturen und maximale Effizienz – mit diesen Anforderungen sehen sich nicht nur Controller, sondern auch immer mehr Webentwickler konfrontiert.

Eine moderne Corporate-Webseite zeichnet sich durch weit mehr als eine gute Benutzerführung und sinnvoll gegliederte Inhalte aus. Denn zusätzlich gilt es auch technisch auf überflüssigen Ballast zu verzichten und Ressourcen zu sparen. Das wirkt sich nicht nur direkt auf schnellere Ladezeiten und eine flüssig-komfortable Usability aus. Auch Suchmaschinen belohnen schlanke Webseiten mit einem besseren Ranking, das auf PageSpeed-Messungen beruht.

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Dabei ist die Begründung gleichermaßen sinnvoll wie nachvollziehbar: So unterstellt Google, dass einer der wichtigsten Faktoren für eine positive Besuchererfahrung die Geschwindigkeit beim Seitenaufbau und den Anfrage-Reaktionszeiten ist. Eine Annahme, die in unserer schnelllebigen Zeit nicht ganz unrealistisch erscheint.

Die Wahl der Hardware – ein erster Schritt für gute Performance!

Für eine gute Gesamtperformance sind drei Faktoren entscheidend. Eine gute Infrastruktur mit entsprechender Anbindung an das Internet ist die Basis für schnelle Zugriffszeiten. Rechenzentren mit professionellen Strukturen sind daher dringend zu empfehlen. „Layer 2“ bildet die Server-Architektur. Je nach Anforderungsprofil kann hier zwischen physisch dedizierten Servern, virtuellen Servern und Cloud-Lösungen oder dem klassischen Webhosting gewählt werden.

  • Dedizierte Server: Hier wird ganz klassisch ein physischer Server als System für die Webpräsenz zur Verfügung gestellt. Die bereitstehende Leistung ist dadurch sehr transparent, doch leider ist das System somit auch schwer skalierbar. Mangelt es aufgrund steigender Zugriffszahlen oder einem Ausbau der Präsenz an Leistung, hilft nur das Umbauen oder Aufrüsten von Serverkomponenten.
  • Virtuelle Private Server (VPS): Sie lassen sich wie dedizierte Server konfigurieren und warten. Die zu Grunde liegende Serverleistung wird allerdings durch einen Verbund an Servern bereitgestellt und lässt sich frei skalieren. Statt dem einen Server, der dediziert die Basis bildet, stellt eine ganze Batterie von Servern Performance und Kapazitäten bereit. Technisch werden VPS oft als so genannte „Business Hosting“-Lösungen realisiert, die sich gerade bei wachsenden Webprojekten aufgrund ihrer Flexibilität sehr bewähren können.
  • Beim klassischen Webhosting teilen sich mehrere Webpräsenzen einen Server – und somit auch eine IP-Adresse. Zudem wird die verfügbare Gesamtperformance des Servers unter allen Hostings aufgeteilt. Welche Ressourcen einer einzelnen Webpräsenz zur Verfügung stehen, ist somit häufig nicht ganz klar definiert. Besonders ärgerlich: Peaks auf fremden Webpräsenzen, die auf dem gleichen Server liegen, können damit auch die Erreichbarkeit der eigenen Webpräsenz negativ beeinflussen.

Die Applikation mit Auswirkungen auf Komfort, Pflegbarkeit und Page-Speed!

In vielen Fällen wird dieser Entscheidung sehr viel Aufmerksamkeit gewidmet, obwohl letztlich die Applikation viel entscheidender ist. Ein Server muss je nach Zugriffszahlen tausendfach das abarbeiten, was die Applikation ihm an Aufwand zumutet. Somit ist es häufig sehr viel lohnenswerter, die zu betreibende Webseite kritisch zu hinterfragen, als über eine Erweiterung der Server-Performance nachzudenken.

Denn selbst wenn ein Server mögliche Mängel der Webseiten-Architektur durch pure Leistung zu einem gewissen Grad kompensieren kann, bleiben ärgerliche Defizite. So können Browser auf leistungsschwachen Desktop-PCs oder mobilen Endgeräten unnötig belastet oder Bandbreiten-Kapazitäten sinnlos blockiert werden.

Das Anforderungsprofil als wichtigste Grundlage für die Entscheidungsfindung

Grundsätzlich sollte jede Webpräsenz daher bereits vorab akribisch geplant werden. Welche Ziele sollen erreicht werden? Welchem Zweck dient das Projekt? Welche Besucher werden angesprochen und mit welchen Zugriffszahlen ist zu rechnen? Sollten vereinzelte, außergewöhnlich hohe Spitzen bei den Seitenzugriffen erwartet werden, lohnt es sich auch, den Server-Dienstleister zu kontaktieren. In diesem Fall können nämlich vorab bereits gemeinsam Lösungen dafür gefunden werden, wie sich solche Spitzen abfedern lassen. So werden unerwartete und ärgerliche Ausfallzeiten bestenfalls komplett vermieden.

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Quelle: DomainFactory

Anschließend geht es um die Planung der Software-Architektur. Zunächst stellt sich die Frage, ob die Applikation individuell entwickelt wird oder ob man auf bewährte Standard-Systeme wie beispielsweise WordPress, TYPO3, Joomla! oder Drupal zurückgreift. Um diese Entscheidung treffen zu können, ist der benötigte Funktionsumfang entscheidend. Je standardisierter das Anforderungsprofil ausfällt, desto interessanter sind oft nämlich auch einfache Standardlösungen.

Komplette Eigenentwicklungen sind dagegen in der Regel sehr aufwändig – eine Investition von Zeit und Geld, die sich nur dann auszahlt, wenn absehbar ist, dass Standardlösungen für spezielle Anforderungen zu limitiert sind.

Die typische Ausnahme: Soll ein Onlineshop betrieben werden, sprengen Eigenentwicklungen allerdings meist den Rahmen. Hier ist die Wahl eines geeigneten Shopsystems fast schon obligatorisch. Ob ein Standard-System geeignet ist, lässt sich jedoch nur durch Recherchen in den Plugin-Archiven der in Frage kommenden CMS-Systeme beantworten. Mit zahlreichen Erweiterungen, die teils kostenpflichtig angeboten werden, lässt sich die Funktionalität der Webseite individuell erweitern.

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Quelle: DomainFactory

Aus der beigefügten Übersicht der jeweiligen Shopsystem-Highlights lassen sich bereits erste gute Rückschlüsse ziehen.

Erweiterungen erweisen sich zudem oftmals als Performance-Bremse – nicht alle Plugins stellen einen Mehrwert dar! Gerade in diesem Punkt ist leider äußerste Vorsicht geboten. Denn so schnell und komfortabel sich jede dieser Erweiterungen installieren lässt, so schnell lässt sich damit auch die Webseiten-Performance ruinieren.

Der Grund: Plugins sind in der Regel auf maximalen Komfort, tolle Benutzeroberflächen und zahlreiche überzeugende Features optimiert. Marketing ist bei der Entwicklung der Erweiterungen oft wichtiger als Performance. Somit sind viele der praktischen Hilfsprogramme leider auch schonungslose Performance-Killer. Es empfiehlt sich also, jede Erweiterung gezielt unter die Lupe zu nehmen und frühzeitig herauszufinden, ob Seitenaufbau und Qualität des Quellcodes unter der Verwendung leiden! In diesem frühen Stadium lassen sich meistens noch Alternativen finden, was später sehr viel aufwändiger sein kann.

Überflüssige Erweiterungen sollten zudem unbedingt deinstalliert werden. Je schlanker das System ist, desto besser. Sinnvoll sind auch Plugins, die Unterseiten und Inhalte cachen und Bilder erst dann nachladen, wenn Sie visuell benötigt werden („Lazy Loading“). JavaScript-Code sollte möglichst im Footer der Webseite platziert werden, damit alle relevanten optischen Inhalte bereits zuvor gerendert werden können. All das trägt dazu bei, dass Webseiten schnell geladen werden.

Sollte Ihnen mein Beitrag gefallen haben, freue ich mich, wenn Sie noch einen Blick in mein Performance-Workbook werfen. Hier erkläre ich ausführlich und praxisorientiert, was Schritt für Schritt für die Planung, Gestaltung und Verbesserung einer Webseite oder eines kompletten Webprojektes wichtig ist.

Kay Seegers ist 4th Level Care Support-Guide bei DomainFactory.

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