Dem wahren Mehrwert des Low-Code-Ansatzes auf der SpurDer Low-Code-Trend unter die Lupe genommen

22. Juli 2022

Manchmal fällt es einem schwer, den übertriebenen Hype um gewisse neue Trends nachzuvollziehen. Low-Code-/No-Code-Entwicklung ist einer dieser Trends, bei denen der Hype davon ablenkt, welchen tatsächlichen Mehrwert der Ansatz für die Entwicklung von Anwendungen bringt.

Zum einen gab es in der Vergangenheit bereits mehrere Versuche, die Anwendungsentwicklung zu vereinfachen – ich erinnere nur an das Microsoft Oslo-Projekt aus dem Jahr 2007. Vielleicht werden wir eines Tages in einer Welt leben, in der nur noch minimale oder gar keine Programmierung mehr erforderlich ist. Doch offen gesagt: Wer irgendeine Art von Business-Logik generieren möchte, wird auf jeden Fall auch weiterhin programmieren müssen.

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Zum anderen würde es einen überraschen, wenn Organisationen mit sensiblen Unternehmensdaten ihren MitarbeiterInnen uneingeschränkten Zugang zu solchen Tools gewähren würden. Bei der überwiegenden Mehrheit der Low-Code-Tools handelt es sich um Cloud-basierte Dienste, die von mehreren verschiedenen Anbietern betrieben werden. Wenn das bei einem Chief Information Security Officer (CISO) nicht die Alarmglocken läuten lässt, würde es einen sehr wundern.

Darüber hinaus bieten viele dieser Tools allem Anschein nach lediglich eine Benutzeroberfläche, die über bereits bestehenden Anwendungen gelegt wird und einem keinen Zugriff auf die Kerndaten dieser Systeme bietet. Das bedeutet einerseits, dass man Fachleute mit Programmierkenntnissen benötigt, um die Systeme zu warten. Andererseits muss man genau über die Funktionsweise der Business-Logik Bescheid wissen, wenn sichergestellt sein soll, dass die Low-Code-Oberfläche mit den betreffenden Daten interagiert.

Doch auch nach dieser Vorrede, darf man nicht vergessen, dass „Low-Code“ durchaus seinen Wert besitzt. Software-Hersteller wie Unit4 haben einige Jahre damit verbracht, eine Microservices-Architektur als Grundlage für eine ERP-Plattform der nächsten Generation zu entwickeln, weil sie wissen, dass die Anwender dadurch agiler werden und schnell auf Kundenanforderungen und Marktchancen reagieren können.

Es handelt sich dabei jedoch um die eigenen Tools dieser Hersteller und bei Unit4 stellt man beispielsweise ein Extension Kit zur Verfügung, das bestimmte Standards und Richtlinien beinhaltet, so dass alle neuen Funktionen störungsfrei und effektiv in die Kernumgebung integriert werden können.

Generell gibt es einen ganz entscheidenden praktischen Beweggrund für die Einführung von Low-Code: den enormen Mangel an qualifizierten IT-Fachkräften. Wenn Low-Code-Modelle es ermöglichen, Teile der Anwendungsentwicklung zu automatisieren und damit Zeit und Ressourcen zu sparen, gibt es ein klares Kosten-Nutzen-Argument dafür. Dennoch ist der Low-Code-Ansatz nicht unbedingt darauf ausgerichtet, bestimmte technische Anforderungen zu erfüllen oder technische Vorteile zu bieten, sondern löst vielmehr ein menschliches Problem.

Mehr Disziplin

Wenn Low-Code-Entwicklung funktionieren soll, müssen Sie denselben Best Practices folgen, die für jede Form der Anwendungsentwicklung gelten. Das erfordert die Einhaltung disziplinierter Prozesse und eine ordnungsgemäße Governance. Verantwortliche im Unternehmen müssen genau darauf achten, wie die Tools mit der bestehenden Umgebung zusammenwirken. Natürlich muss der Zugriff auf Backend-Datensysteme gegeben sein, man sollte jedoch aus Sicherheitsgründen keinen uneingeschränkten Zugriff darauf haben.

Wer sich Sorgen um die unkontrollierte Ausbreitung seiner Anwendungen macht, sollte streng darauf achten, wer eine Instanz erstellen darf und entsprechende Kontrollmechanismen für den Zugriff einrichten. Anwendungen sollten nach bestimmten Standards erstellt und verwaltet werden und einem Freigabe- und Qualitätskontrollprozess unterliegen.
Im Hinblick auf die Governance gilt es außerdem sicherzustellen, dass die Low-Code-Entwickler keine Instanzen anlegen, die eine lokale Datenspeicherung zur Folge haben. Abgesehen davon, dass dadurch die Speicherkosten in die Höhe schnellen, könnte dies je nach Markt zu Datenschutzproblemen führen.

Programmierfreie Entwicklung ist derzeit noch Zukunftsmusik

Die Beschreibungen des Potenzials von Anwendungen, die auf No-Code-Entwicklung basieren, klingen oft mehr nach Fiktion als nach Fakten. Wer eine Low-Code-/No-Code-Strategie einführt, der sollte unbedingt aufmerksam und vorsichtig an die Sache herangehen.

Daher der Rat: Gehen Sie dem Hype nicht auf den Leim – Low-Code-Ansätze sind wie alle anderen Programmierverfahren. Für die richtige Umsetzung sind nach wie vor Programmierkenntnisse und Disziplin sowie eine sorgfältige Governance unerlässlich.
Die IT-Teams und die mit der Umsetzung der Entwicklungsmodelle betrauten Mitarbeiter müssen entsprechend geschult werden, damit sie verstehen, was von ihnen und dem Code, den sie implementieren, erwartet wird. Low-Code-Entwicklung ist keine Patentlösung für alle Herausforderungen in der Anwendungsentwicklung, sie kann aber dazu beitragen, das akute Problem des Fachkräftemangels zu bewältigen.

Michael Kiefer ist Senior Solution Consultant für das Produkt Unit4 ERP. Seine fachlichen Schwerpunkte sind Projekt- und Servicemanagement, Dash Board, Berichts- und Controlling-Themen sowie Budgetierung und Planung mit Unit ERP.

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