„Software Revivals“ für Legacy-AnwendungenDie richtigen Tipps helfen beim „Ausmisten der IT“

16. März 2020

Legacy-Anwendungen benötigen aufwändige Pflege, um mit den aktuellen Anforderungen an Funktionalität und Sicherheit Schritt zu halten. Das Software-Revival ist keine Allzweckwaffe zur Software-Modernisierung, doch in vielen Anwendungsfällen erweist sie sich als eine schnelle und kostengünstige Alternative zu aufwändiger Neuentwicklung, beziehungsweise Neubeschaffung.

Die Palette der typischen Schwachstellen von Legacy-Anwendungen reicht von mangelhafter Performance und hohen Kosten über die schwierige Einbindung in Online-Umgebungen bis hin zu Schwierigkeiten bei der Erfüllung geschäftskritischer Compliance- und Security-Richtlinien. Doch komplette Neuinstallationen im Bereich der Business-Software sind nur mit schwer zu kalkulierenden Kosten und Risiken verbunden. Deshalb erweisen sich gezielte Modernisierungsmaßnahmen für die Altanwendungen oft als die bessere Lösung. Hier geltem die folgenden Aspekte als die wichtigsten:

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  • Refactoring: Die vielleicht wichtigste „Refresh“-Methode ist das so genannte Refactoring. Im Grunde steckt dahinter ein „Aufräumen“ des Software-Quellcodes. Dessen Struktur wird dabei vereinfacht und gestrafft, ohne dabei seine Funktionalitäten zu verändern. Der Code lässt sich dadurch künftig leichter lesen und verstehen – und damit unkomplizierter, schneller und kostengünstiger warten und zudem um neue Funktionen erweitern. Diese Methodik eignet sich vor allem für Anwendungen, die häufig geändert werden müssen, deren Änderungen sich aber aufgrund der dadurch wachsenden Komplexität zunehmend teurer und langwieriger gestalten.
  • Veränderung der Betriebsumgebung: Legacy-Anwendungen stammen in der Regel aus den Zeiten von Client-Server-Umgebungen oder sogar noch früherer Architektur-Typen wie der mittleren Datentechnik oder dem Mainframe. Ansätze wie Server-, Storage- und Anwendungs-Virtualisierung sind ihnen ebenso fremd wie Cloud-Szenarien, mit Hybrid-IT oder Multi-Cloud als jüngsten Spielarten. Aber sie können darauf adaptiert werden, und so die unbestrittenen Vorteile moderner Architekturen nutzen, wie etwa die weitaus höhere Flexibilität, Agilität und Skalierbarkeit. Durch den zumindest partiell möglichen Verzicht auf eigene Rechenzentrums-Hardware lassen sich zudem positive Kosteneffekte nutzen.
  • Änderungen an Betriebssystemen, Datenbanken und Middleware-Komponenten: Dabei bleibt die Alt-Software selbst unangetastet, aber in eine passend optimierte Umgebung eingebettet. Oft reicht schon das Upgrade auf die jeweils aktuellen Versionen, um Fortschritte bei Performance, Sicherheit und Kostensituation zu erzielen. Besonders für Letztere lohnt sich bei Datenbanken und Middleware auch ein Blick auf Open-Source-Komponenten. So unterstützt beispielsweise die Open-Source-Datenbank PostgreSQL die meisten Programmiersprachen und hält funktional einem Vergleich mit lizenz- und damit kostenpflichtigen Datenbanken in vielen Anwendungsfällen stand.
  • Integration neuer Sicherheitsfeatures: Durch gezielte Maßnahmen lassen sich Altanwendungen häufig auch in Sachen Sicherheit und Datenschutz auf den aktuellen Stand bringen. Diese Maßnahmen sind meist recht schnell umsetzbar, da es sich dabei in der Regel um sehr lokale Anpassungen handelt. Ein einfacher Ansatz mit großer Wirkung ist es etwa, Legacy-Software nachträglich mit kryptografischen Verfahren auszustatten, damit sie Dateien verschlüsselt ablegen und verschlüsselte Protokolle bei der Kommunikation verwenden. Auch ein sicheres Zugriffskonzept und ein modernes Passwortmanagement lassen sich nachträglich für eine Legacy-Software aufsetzen.
  • Einsatz moderner Organisationstechniken: Dazu zählt die DevOps-Methode, die durch gemeinsame Prozesse und Tools für eine effektivere Zusammenarbeit zwischen Softwareentwicklung und Systemadministration sorgt. Altanwendungen lassen sich mit diesen Prozessen und Werkzeugen schneller weiterentwickeln, testen und freigeben. Dadurch sind nicht nur die Mitarbeiter zufriedener, auch die Verkürzung der Produktvorlaufzeit (Time-to-Market) wirkt sich positiv auf die Geschäftsprozesse und die Wettbewerbssituation aus.

Nadine Riederer ist CEO bei Avision

Avision

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