Unternehmen bereiten Belegschaft nicht ausreichend auf den Einsatz von KI vorLangfristige Rendite ist gefährdet
8. April 2026
Trotz der rasanten Einführung von KI-Tools in Unternehmen, etwa von Microsoft 365 Copilot oder Google Workspace, zeigt eine Untersuchung von Forrester eine wachsende Lücke zwischen der technischen Einführung von KI und der tatsächlichen Bereitschaft der Mitarbeitenden, diese effektiv zu nutzen. Das wirft Fragen hinsichtlich Produktivität, Risiken und der langfristigen Rendite von KI-Investitionen auf.
Der Bericht „AI Quotient 2.0: Mitarbeitende sind weiterhin nicht bereit für den erfolgreichen Umgang mit KI am Arbeitsplatz“ zeigt außerdem konkrete Schritte auf, mit denen Unternehmen diese Lücke schließen können. Dazu zählen kontinuierliche Weiterbildungsprogramme, kollaborative Lernmodelle und die systematische Entwicklung von KI-Kompetenzen im Arbeitsalltag. Als zentrale Ergebnisse des Berichts gelten die folgenden Punkte:
- KI-Kompetenzen stagnieren: Nur 16 Prozent der Beschäftigten verfügten 2025 über einen hohen AIQ (AI Quotient) – ein Anstieg gegenüber 12 Prozent im Jahr 2024, der trotz breiter KI-Einführung nur minimale Fortschritte zeigt.
- Weiterbildung hinkt hinterher: Während 68 Prozent der Unternehmen generative KI bereits produktiv einsetzen, bieten nur 51 Prozent Schulungen für nicht-technische Mitarbeitende an und lediglich 23 Prozent vermitteln Prompt Engineering, eine zentrale Fähigkeit im Umgang mit KI.
- Angst ist weit verbreitet – aber übertrieben: Viele Beschäftigte befürchten weiterhin, durch KI ersetzt zu werden, obwohl tatsächliche Arbeitsplatzverluste im Jahr 2025 gering waren. Unklare Kommunikation seitens der Unternehmensführung verstärkt diese Sorgen zusätzlich.
- Defizite bei Vertrauen, Motivation und Ethik: Nur 37 Prozent der Mitarbeitenden fühlen sich sicher darin, sich an KI-gestützte Arbeitsweisen anzupassen. Weniger als die Hälfte ist motiviert, entsprechende Kompetenzen aufzubauen, und nur 44 Prozent fühlen sich im verantwortungsvollen Umgang mit KI sicher.
- Ein niedriger AIQ bremst die Produktivität: Mitarbeitende mit geringen KI-Kenntnissen nutzen entsprechende Tools seltener oder falsch. Das führt zu Fehlern, zusätzlicher Arbeit und teilweise sogar zu geringerer Produktivität.
- Umfassende Lern- und Beteiligungsprogramme sind entscheidend: Unternehmen, die erfolgreich mit KI arbeiten, setzen nicht nur auf klassische Trainings, sondern auf kontinuierliches Lernen, praxisnahe Erfahrungen und Austausch zwischen Mitarbeitenden.
Viele Arbeitgeber geben ihren Mitarbeitenden weder die notwendigen Fähigkeiten noch das Verständnis oder die ethische Orientierung, um KI erfolgreich einzusetzen. Das entwickelt sich zunehmend zu einem klaren Engpass für Produktivität und die Rendite von KI-Investitionen. Unsere Forschung zeigt, dass viele Unternehmen KI-Tools einführen, ohne ausreichend in die Fähigkeit der Mitarbeitenden zu investieren, diese effektiv zu nutzen.
Um diese Lücke zu schließen, müssen Unternehmen über oberflächliche Schulungen hinausgehen und kontinuierliche, praxisnahe Lernangebote schaffen, die KI verständlich machen, Sorgen der Mitarbeitenden adressieren und echte Kompetenzen aufbauen. Es geht nicht darum, Menschen zu ersetzen, sondern darum, sie zu befähigen, mit KI smarter zu arbeiten. Organisationen, die KI-Kompetenz als strategische Priorität betrachten und nicht nur als Pflichtübung, werden langfristig die größten Produktivitätsgewinne und Wettbewerbsvorteile erzielen.
JP Gownder ist Vice President und Principal Analyst beim Marktforschungsunternehmen Forrester.