Testen garantiert höhere Qualität für mobile Lösungen Herausforderung Mobile Testing

13. Mai 2016

Mobile IT-Systeme haben sich in sehr kurzer Zeit als eigenständiger Bereich der IT etabliert: Tragbare Computer wie Laptops und Notebooks gehörten und gehören noch zur Welt der „traditionellen“ IT, während „normale“ Handys ihre Herkunft aus der Telefonie nie leugnen konnten. Mit dem 2007 von Apple eingeführten iPhone wurde nicht nur eine neue Geräteklasse geschaffen, es fiel auch der Startschuss für das Entstehen eines riesigen, weltweiten Marktes mit einem mittlerweile Milliarden zählenden und weiter wachsenden Nutzerkreis. Doch Unternehmen stehen vor einem Problem: Bislang haben sie kaum Vorsorge für eine durchgängige Qualitätssicherung in Sachen „Mobile Lösungen“ getroffen.

Mobile Dominanz

Maßnahmen für die Qualitätssicherung für mobile Lösungen; Quelle: Mobile Testing IDC White Paper 2015

Mobile Devices, also Smartphones und Tablets, künftig aber auch Smart-Watches und Wearables, beeinflussen heute auch die Verfahren, die Prozesse und die Geschäftsmodelle der herkömmlichen IT nachhaltig. Boten diese mobilen Geräte zunächst einen weiteren Zugangskanal ins Web, so ist dieser Weg heute bereits für viele Nutzer der Standardweg ins Internet. Es ist absehbar, dass sich diese Entwicklung fortsetzt und dass Smartphones oder Tablets künftig für eine wachsende Zahl von Nutzern den einzigen Zugang zum Web bilden werden. Sie fungieren so als Enabler der Digitalen Transformation.

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Dies hat nachhaltige Auswirkungen für das Agieren von Unternehmen, denn die Präsenz im Web allein reicht längst nicht mehr aus. Wenn die Nutzer, also die Kunden, ständig mit mobilen Geräten arbeiten, müssen Organisationen, die ihre Kunden erreichen wollen, entsprechende Anwendungen bieten. Es geht dabei gar nicht darum, ob Nutzer tatsächlich unterwegs – an der Bushaltestelle, am Flughafen oder im Restaurant – mit einem Unternehmen kommunizieren wollen. Diesen lange gepflegten Einwand gegen mobile Lösungen – „unsere Kunden nutzen die Software nur stationär" – hat die Entwicklung mittlerweile überrollt. Sobald mobile Lösungen der Standardzugang sind, heißt Kommunikation mit Kunden Mobility, auch wenn sie tatsächlich stationär erfolgt. Mobility ist generell zu einem Synonym für moderne Software geworden.

Das bedeutet auch, dass Mobility weit mehr ist, als mit einem IT-System nicht ortsgebunden zu sein. Die neuen mobilen Geräte haben auch einen neuen Umgang mit IT und neue Nutzungsweisen eingeführt, und dementsprechend neue Anforderungen. So würde heute kein Smartphone- oder Tablet-Nutzer akzeptieren, was in der herkömmlichen IT noch immer gang und gäbe ist: dass ein Gerät erst ein paar Minuten lang hochfahren muss, ehe man es benutzen kann.

Andere Neuerungen betreffen die Art der Nutzung und Bereitstellung von Software, die Usability, den Austausch von Daten, Sicherheit, Verfügbarkeit rund um die Uhr, die Integration in Netze oder auch den raschen Ersatz von Geräten durch die jeweils nächste Generation. Generell hat sich gezeigt, dass die Ansprüche der Nutzer hinsichtlich Funktionalität und Usability ihrer Anwendungen erheblich höher sind als in der herkömmlichen IT, aber auch viel höher als im klassischen Web-Umfeld.

Die rasante Verbreitung dieser mobile Geräte im Consumer-Markt führt dazu, dass auch Unternehmen von dieser Entwicklung betroffen sind, die selbst keine direkte Kommunikation mit End-Kunden haben: Geschäftspartner aber auch Mitarbeiter nutzen zunehmend diese neue IT. Geschäftsprozesse werden zunächst in die mobilen Systeme verlagert, später kommen Prozesse dazu, die nur noch so abgebildet werden. Mobility wird in vielen – wenn auch nicht in allen – Bereichen zum Standardverfahren der Unternehmens-IT. Kein Unternehmen wird daher daran vorbei kommen, in der Mobility-Welt in irgendeiner Weise präsent zu sein – so wie heute die Präsenz im Web unverzichtbar ist, wird dies künftig für das Thema Mobility gelten. Die Situation wird künftig allerdings noch komplexer, weil eben-falls relativ neue Themen wie Cloud Computing oder Internet der Dinge eng mit Mobility verbunden sind.

Die meisten Unternehmen sind auf diese Entwicklung nicht genügend vorbereitet, auch wenn es mittlerweile überall Mobility-Strategien und zahlreiche Initiativen für eine Ausweitung des Engagements in diesem Bereich gibt. Viele Unternehmen haben erkannt, dass mobile Lösungen effiziente Geschäftsprozesse und schnelle Entscheidungen befördern. Etwa 60 Prozent der Unternehmen haben bereits entsprechende Projekte zumindest in Angriff genommen; 21 Prozent verfügen über eine Mobility-Strategie, mit der sie konkrete Kostensenkungen und Umsatzsteigerungen erreichen wollen. Spezifische Geschäftsmodelle auf Basis von Mobility sind allerdings noch selten.

Qualitätssicherung

Gerade in der mobilen Welt brauchen Unternehmen qualitativ hochwertige Software. Die Ansprüche der Nutzer sind in diesem Bereich sehr hoch und der Wettbewerb ist intensiv. Denn auch das gehört zu den Besonderheiten der mobilen Systeme: für unzufriedene Anwender ist es überaus leicht, Apps, mit denen sie unzufrieden sind, zu deinstallieren. Es genügt, dass eine App ein paar Mal hängen bleibt und schon wird sie weggewischt und durch die eines Mitbewerbers ersetzt. Eine App mit einem Fahrzeug-Konfigurator, die bestimmte Ausstattungskombinationen nicht realisieren kann, würde weder von Kunden noch von Geschäftspartnern akzeptiert werden.

Das Bekanntwerden eines Sicherheitsproblems auf einem Smartphone kann wiederum eine ganze Mobility-Strategie obsolet machen. Unternehmen müssen daher sicherstellen, dass ihre mobilen Anwendungen hinsichtlich Sicherheit, Performance, Funktionalität und Usability auch höchsten Ansprüchen genügt.

Da mobile Systeme in der Regel nicht in geschützten Umgebungen laufen, sind sie besonders gefährdet. Schon das Einloggen in ein korrumpiertes WLAN in einem Hotelzimmer kann katastrophale Folgen haben, wenn zum Beispiel ein Angreifer auf diesem Weg Zugang zu einem ganzen Firmennetz erhält. Sicherheit muss daher bei der Qualitätssicherung mobiler System höchste Priorität erhalten: Ein sicheres System, das langsam läuft, ist ärgerlich, ein schnelles System, das unsicher ist, kann existenzgefährdend sein.

Wenn eine IDC-Studie zum Thema Qualitätssicherung für mobile Lösungen feststellt, dass 67 Prozent der befragten Unternehmen über kein Regelwerk für die Sicherung der Softwarequalität solcher Lösungen implementiert haben, so ist das vor diesem Hintergrund mehr als erstaunlich. Schließlich sind mobile Lösungen einer der wichtigsten Trends der IT und ein zentraler Baustein der Digitalen Transformation. Ohne gesicherte Qualität wird es jedoch schwerfallen, diesen Baustein professionell zu nutzen. Die Gründe für diese Lücke in der Software-Qualitätssicherung sind:

•    Neuheit des Themas Mobility,
•    fehlendes Know-how und wenig Erfahrung, keine speziell da-für ausgebildeten Fachkräfte sowie
•    fehlende technische Infrastruktur für die Qualitätssicherung, beispielsweise geeignete Testumgebungen.

Ein durchgängiges Management des Mobile Application Lifecycle, das von der Softwareentwicklung über Testing, Deployment bis zur Aktualisierung reicht, ist unerlässlich. Tatsächlich aber ist das entsprechende Qualitätsmanagement für mobile Lösungen, wie die erwähnte IDC-Studie feststellt, meist nicht vorhanden. So werden heute zwar in vielen Unternehmen Apps für die mobile IT-Welt entwickelt, aber die dafür vorgenommene Qualitätssicherung orientiert sich in der Regel an herkömmlichen Modellen und Verfahren.

Andersartigkeit der „Mobile Software“

Diese lassen sich jedoch aufgrund der Eigenheiten mobiler Systeme, aber auch wegen der hohen Anforderungen der Nutzer, nicht automatisch in die mobile Welt übernehmen. Klassische Testthemen wie Funktions- und Regressionstests, Performance- und Usability-Tests erscheinen hier in neuem Licht. Neue Herausforderungen für Qualitätssicherung und Testing entstehen vor allem durch zwei Mobility-spezifische Faktoren: Geschwindigkeit und Gerätevielfalt.

Gerätevielfalt: Auch wenn es mit iOS, Android und Windows Phone nur drei relevante Betriebssysteme für mobile Geräte gibt, so ist durch hersteller-spezifische technische Ausstattungen, unterschiedliche Display-Größen und -Auflösungen, Sensorik, RAM-Größe, Prozessorgenerationen und schließlich auch verschiedene Netzbetreiber eine fast unübersehbare Vielfalt von Varianten entstanden. Bei Android ist diese Fragmentierung besonders stark, hier gibt es derzeit etwa 19.000 verschiedene Geräte mit unterschiedlichen Software- und Hardwarekonfigurationen. Jedes technische Merkmal, zum Beispiel Beschleunigungssensor oder Fingerabdruck-Scanner, fügt eine weitere Dimension an Komplexität hinzu.

Das responsive Design, mit dem Apps automatisch auf unterschiedliche typisierte Konfigurationen reagieren können, verringert zwar den Entwicklungsaufwand, nicht aber zugleich auch den Testaufwand. In der vollen Breite ist diese Vielfalt in Tests gar nicht abzudecken. Unternehmen müssen zur Priorisierung relevanter Konfigurationen daher zuerst einmal feststellen, welche Systeme ihre Kunden und Anwender in Mehrheit einsetzen. Hieraus lassen sich Gruppen der Abdeckung bilden: zum Beispiel zehn Gerätetypen, die 60 Prozent der Kunden verwenden und vielleicht weitere 20 Geräte, mit denen noch einmal 20 Prozent abgedeckt werden. Unternehmen müssen nun also auch aus Gründen der Test-Ökonomie ihre Kunden gut kennen. Der Rückgriff auf Software-Emulationen reicht in der Regel nicht aus, denn damit ließen sich allenfalls Basisfunktionen überprüfen, die Herausforderung entsteht aber durch die Kombination echter Merkmale.

Geschwindigkeit: Die Mobility-Welt zeichnet sich außerdem durch extrem kurze Release-Zyklen aus. Zwei Releases pro Jahr, wie das in der herkömmlichen IT lange üblich war, sind hier nicht darstellbar. Einige Unternehmen, insbesondere solche, die in der Digital Economy fest verankert sind, bringen hier mitunter täglich oder in bestimmten Phasen sogar mehrmals täglich neue Versionen heraus. Auch wenn das Extremfälle bleiben mögen, sind kurzfristige Reaktionen auf Kundenanforderungen bei mobilen Lösungen unverzichtbar. Kundenbedürfnisse und Marktbedingungen verändern sich schnell und wenn sich Apps darauf nicht zeitnah einstellen können, fallen die Unternehmen im Wettbewerb zurück. Um kurze Release-Zyklen nicht durch geringere Qualität zu erkaufen, sind standardisierte und, so weit wie möglich, automatisierte Testverfahren erforderlich.

Viele Unternehmen sind mit dem Aufbau einer adäquaten Qualitätssicherung für mobile Lösungen überfordert. Allein die Beschaffung einer hinreichend großen Geräteauswahl erfordert einen immensen Aufwand, doch anders lassen sich reale Testszenarien nicht durchspielen. Die Konsequenz ist, dass häufig an der einen oder anderen Stelle Kompromisse eingegangen werden: Im einfachsten Fall lässt man nötige Release-Wechsel aus, streicht Funktionalitäten oder man akzeptiert einen höheren Aufwand für Entwicklung und Pflege. Keiner dieser Kompromisse ist zielführend, auf die eine oder andere Weise sind Wettbewerbsnachteile unvermeidlich.

Einen Ausweg bietet die Nutzung externer Test-Services, wie sie etwa CGI bietet, also der Rückgriff auf die Ressourcen von Anbietern, die sich ganzheitlich auf das Thema spezialisiert haben. Ein Service-Provider kann ein strukturiertes und erprobtes Vorgehen zur Verfügung stellen, das den gesamten Testprozess im Mobile Application Lifecycle End-to-End abdeckt. Er kann ferner Geräte, Tools und eine Cloud-basierte, ausgereifte Test-Infrastruktur in Kundenprojekte ein-bringen. Entsprechende Services bieten hohe Flexibilität, einfache Skalierbarkeit und durchgängige Verfügbarkeit – Aspekte, die eine Lösung, die zur Gänze in eigener Regie betrieben wird, nur mit hohen Investitionen abdecken könnte.

Holger Unrau

ist Director und Product Manager Mobile Testing bei CGI.

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Effizienzgewinn beim IT-Budget

CGI stellt Unternehmen nicht nur eine Testinfrastruktur bereit, sondern bringt auch Erfahrungen aus zahlreichen erfolgreichen Mobility-Projekten ein. Mit den Testlösungen der CGI Testfactory lassen sich signifikante Einsparungen erzielen:

Formalisierung von Testmanagement-Methoden: Bis zu 35 Prozent – durch frühzeitige Risikofeststellung, Eliminierung von Mehrarbeit und Optimierung der Beziehung zwischen Entwicklung und Stakeholdern.

Testwerkzeuge und Automatisierung: Bis zu 70 Prozent – durch effektive Bedienung von Werkzeugen zur Kontrolle der Testkomplexität sowie durch automatisiertes Testing zur Beschleunigung der Testdurchläufe (bezogen auf die Testausführungskosten).

Management der Ressourcen: Bis zu 15 Prozent – durch Zusammenlegen von Ressourcen zur Verbesserung der Produktivität und durch Standardisierung von Rollen und Trainingsprogrammen. (rhh)

 

 

 

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