US-Regierung setzt Huawei auf „schwarze Liste“Keine Android-Updates von Google mehr für Huawei

20. Mai 2019

Kaum hat die US-Regierung Huawei auf eine schwarze Liste gesetzt, reagiert die „Alphabet“: Die Zusammenarbeit mit dem chinesischen Konzern wird zumindest teilweise ausgesetzt – mit dem Resultat: Die Lizenz zur Nutzung wichtiger Teile des Android-Ökosystems wurde entzogen.

Als Hintergrund für den „Android-Bann“ gilt ein Dekret von US-Präsident Donald Trump: Er hatte den nationalen Telekommunikationsnotstand ausgerufen, woraufhin das US-Wirtschaftsministerium eine „schwarze Liste“ aufsetzte, auf der auch Huawei steht. US-Firmen ist es nun untersagt, ohne Genehmigung der Regierung Geschäfte mit diesen Firmen zu machen.

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Danach hatte die Google-Mutter „Alphabet“ die Zusammenarbeit mit Huawei ausgesetzt: Das Unternehmen soll keinen Zugriff mehr auf Android-Updates haben und künftige Huawei-Smartphones dürften dadurch auch nicht mehr mit Google-Apps wie etwa Gmail bestückt werden.

„Für Smartphone-Besitzer der Marke Huawei bestehen damit einige Risiken“, gesteht G DATA Lead Mobile Researcher Alexander Burris ein. Er bewertet die Entscheidung von Google, den Zugang auf Update-Informationen für Huawei einzuschränken wie folgt: „Der chinesische Netzwerkausrüster und Smartphone-Anbieter Huawei dürfte bald den Zugriff auf wichtige Update-Informationen für das Android-Betriebssystem verlieren. Noch ist unklar, wie genau Huawei von der Informationssperre betroffen sein wird – die Folgen für Kunden dürften aber spürbar sein.“

Denn Google teilt mit seinen Hardwarepartnern im Voraus Informationen über wichtige Betriebssystem-Updates und Sicherheitslücken – damit diese entsprechende Patches für ihre Kunden vorbereiten können. Auf diese Vorabinformationen werde Huawei wohl künftig verzichten müssen. Einige Informationen wird es aber weiterhin geben: So wird der chinesische Hersteller künftig noch auf die Daten des Android-Open-Source-Projekts (AOSP) zugreifen können.

Update-Lage unter Android ist prekär

„Huawei-Nutzer werden Sicherheits- und Feature-Updates jetzt auf jeden Fall später bekommen, als bislang“, bringt fasst es Alexander Burris zusammen. „Das ist für Nutzer keine gute Entwicklung – die Update-Lage unter Android ist ohnehin bei vielen Herstellern prekär.“ Google versucht zwar, immer mehr Updates über die eigenen Systemdienste auszurollen und nicht den Umweg über die Gerätehersteller zu gehen. Doch diese Bemühungen sind längst nicht abgeschlossen.

Außerdem werde Huawei wohl für alle außerhalb von China verkauften Smartphones den Zugriff auf wichtige Google-Dienste wie den Playstore verlieren. So müssen sich Anwender Alternativen suchen. Nicht alle haben dabei das gleiche Sicherheitsniveau wie Google Play – das Infektionsrisiko steigt. „Leider ist außerdem zu befürchten, dass windige Reseller das ausnutzen und gerootete Smartphones mit den Play-Services auf dem europäischen Markt anbieten. Das haben wir in der Vergangenheit schon bei Smartphones von Xiaomi und Lenovo gesehen“, sagt Burris. In diesen Fällen sei zum Teil auch manipulierte Software auf den Geräten vorinstalliert gewesen. Ein klassischer Hinweis auf eine solche Manipulation ist zum Beispiel die nächtliche, ungewollte Installation von Apps auf dem Gerät.

Vom nächsten großen Update, dem auf der Entwicklerkonferenz Google I/O vorgestellten Android Q, bleibt Huawei vorläufig ausgeschlossen. Zumindest solange es nicht in das AOSP eingeflossen ist – oder die US-Regierung doch eine Genehmigung für eine Zusammenarbeit mit Huawei erteilt. Damit dürfte der Android-Bann auf zukünftige Huawei-Geräte größere Auswirkungen haben als auf solche, die bereits im Handel oder in den Händen der Nutzer sind. (rhh)

G DATA Software AG

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