Prognosen für 2026: Vom Hype zur harten RealitätEchter Schutz, echtes Risiko, echte Nachfrage
8. Januar 2026
Die Komplexität in den Bereichen Cloud, Hybrid, Compliance und Bedrohungen zwingt Unternehmen, sich drei Tatsachen zu stellen: Erstens muss der Schutz von Cloud-Daten unverzichtbar werden. Zweitens sollte KI bewusst zur Verteidigung eingesetzt werden, nicht nur zur Automatisierung, und drittens verändern Compliance- und Regulierungsdruck, wie und wo Daten gespeichert werden.
KI-Angriffe entwickeln sich schneller als Abwehrmaßnahmen – es sei denn, Führungskräfte fordern Transparenz. KI-gesteuerte Angriffe werden zunehmend anpassungsfähig sein. Generell besteht zu befürchten, Dass Angreifer KI-Systeme einsetzen, die ganze Infrastrukturen in Sekundenschnelle abbilden und Schwachstellen tief in der Lieferkette identifizieren. Außerdem werden sie ihre Taktik in Echtzeit anpassen, um Abwehrmaßnahmen zu umgehen. Hybride Kriegsführung wird diesen Trend noch verstärken, da feindliche Akteure geopolitische Absichten mit KI-gestützter Automatisierung in großem Maßstab verbinden.
Verteidiger können diesem Trend nur durch bewussten und transparenten Einsatz von KI begegnen. Sicherheitsteams nutzen KI, um Risiken zu analysieren, die Erkennung zu verbessern und zu modellieren, wo Risiken besonders konzentriert auftreten. Der Erfolg hängt davon ab, das Funktionieren eines KI-Systems, die zugrunde liegenden Daten und die Entscheidungsprozesse zu verstehen. CISOs fordern Klarheit, Kontrolle und Verantwortlichkeit. Erfolgreich sind Unternehmen, die KI einsetzen, um das menschliche Urteilsvermögen zu stärken – nicht, um es zu ersetzen.
Hybrid ist zurück – und damit auch der Wettlauf um Fachkräfte
Hybride Umgebungen werden schneller wachsen als erwartet. Nach Jahren der Cloud-First-Diskussion überdenken Unternehmen nun, was wo hingehört. Politische Instabilität, steigende Souveränitätsanforderungen und Kostendruck führen dazu, dass kritische Workloads wieder vor Ort ausgeführt werden. Server, Speichersysteme und lizenzierte Software erleben ein Comeback, weil Unternehmen Ausgewogenheit statt Absolutismus wollen.
Dieser Wandel macht die wachsende Qualifikationslücke deutlich. Die Nachfrage nach fundiertem technischem Fachwissen in den Bereichen Netzwerke, Linux und Systemtechnik steigt, während der Zustrom von Talenten zurückgeht. 2026 prägt dieser Mangel alles – von der Innovationsgeschwindigkeit bis hin zur Resilienz-Planung.
Parallel dazu geraten Quantencomputing und KI unter öffentliche Prüfung. Die Versprechen Kryptografie-schützender Quantencomputer und einer kurzfristigen künstlichen Generalintelligenz weichen realistischeren Zeitplänen. Die Investitionen bleiben bestehen, doch die Erzählung reift: Unternehmen orientieren sich stärker an praktischen, verantwortbaren Werten statt an spekulativen Durchbrüchen.
KI bleibt auch 2026 praktisch
Der Einsatz von KI wird 2026 etabliert sein. Die meisten Unternehmen werden weiterhin agentenbasierte KI einsetzen, um wiederholbare Aufgaben zu automatisieren und bestehende Prozesse zu ergänzen, nicht um sie neu zu erfinden. Zudem nutzen viele Unternehmen weiterhin agentenbasierte KI, um wiederholbare Aufgaben zu automatisieren und bestehende Prozesse zu ergänzen, statt sie neu zu erfinden.
Nur jedes fünfte Unternehmen gibt an, derzeit einen bedeutenden Nutzen aus seinen KI-Tools zu ziehen, wobei die größten Herausforderungen bei der Einführung die Kosten und der Mangel an Kontrollmechanismen im Zusammenhang mit den gewünschten Ergebnissen sind. Autonome Business Intelligence wird eine Nische bleiben, da die erforderlichen Grundlagen, einschließlich der Infrastruktur, einfach noch nicht vorhanden sind: Datenqualität, Reife der Governance und organisatorische Fähigkeiten liegen noch weit hinter den Ambitionen zurück.
Zudem stehen Modernisierungsbemühungen weiterhin im Vordergrund. Unternehmen setzen sich mit den praktischen Realitäten und Maßnahmen zur Ablösung von Plattformen wie VMware und Citrix auseinander und nutzen gleichzeitig SaaS, um dort Ergebnisse zu beschleunigen, wo es sinnvoll ist. Parallel nimmt der Druck durch Compliance- und Regulierungsauflagen zu. Führungskräfte benötigen ein klares Verständnis der Souveränitätsanforderungen, neuer Betriebsmodelle und der Talentkluft zwischen „alten“ und „neuen“ Praktikern.
Zudem sollten CIOs im Jahr 2026 planen, wie die IT im Jahr 2030 gestaltet sein muss. Die Probleme, die heute gelöst werden, unterscheiden sich von denen, die als Nächstes auftreten, und die IT-Abteilung steht unter großem Druck, Unternehmen für die beschleunigte KI-Transformation zukunftsfähig und wettbewerbsfähig aufzustellen.
NIS2 und DORA werden jede SaaS-Ausschreibung neu gestalten
2026 sind Compliance-Anforderungen in nahezu jeder Ausschreibung für SaaS-Datenschutz fest verankert. Vorgaben im Zusammenhang mit NIS2 und DORA verschieben sich von „gewünscht“ zu „vorausgesetzt“, insbesondere in den Bereichen Finanzen, Energie, Gesundheitswesen und öffentlicher Sektor. Unternehmen bestehen auf lokaler digitaler Souveränität: Daten werden regional gespeichert, Subprozessoren ausgeschlossen und der Zugriff garantiert, selbst wenn die ursprüngliche SaaS-Plattform ausfällt.
Da viele Unternehmen noch in den Anfangsstadien der Umsetzung dieser Vorschriften stehen, steigt die Nachfrage deutlich, je näher die Fristen rücken. Lokale Partner übernehmen eine zentrale Rolle: Sie kennen nationale Souveränitätsregeln, infrastrukturelle Einschränkungen und die operativen Realitäten regulierter Branchen. So wird der Channel zu einem entscheidenden Faktor für die konforme Einführung von SaaS und nicht nur zu einem nachträglichen Element.
Niels van Ingen, SVP Business Development and Strategy und Jan Ursi, Vice President Global Channels bei Keepit.