Informationssicherheit, Compliance und Datenschutz 2026:Strategische Prioritäten für Unternehmen
26. Januar 2026
Datenschutz, Informationssicherheit und Compliance stehen für Unternehmen künftig nicht mehr nur als regulatorische Pflichtprogramme auf der Agenda – sie werden zu zentralen Erfolgsfaktoren. Das spiegelt sich auch im Management wider: Laut einer internationalen Gartner-Studie sehen 85 Prozent der CEOs Cybersecurity inzwischen als kritischen Faktor für künftiges Unternehmenswachstum.
Gleichzeitig verdeutlichen Zahlen des Bitkom die reale Bedrohungslage: Der Schaden für die deutsche Wirtschaft durch Spionage, Sabotage und Datendiebstahl lag alleine 2025 bei 289,2 Milliarden Euro – rund 8 Prozent mehr als im Vorjahr. Vor diesem Hintergrund wird 2026 ein Jahr, in dem Unternehmen ihre Prioritäten neu ordnen müssen. Doch welche Entwicklungen werden dabei besonders prägend sein?
NIS2-Compliance wird zur zentralen IT-Sicherheitsaufgabe
Mit dem Inkrafttreten der NIS2-Richtlinie zum 06.12.2025 ohne jegliche Übergangsfristen steigen die Anforderungen an Informations- und IT-Sicherheit deutlich. Unternehmen müssen nun ein systematisches Risikomanagement etablieren, Cyber-Resilienz stärken und robuste Business-Continuity-Strukturen schaffen – nicht nur zum Schutz vor aktuellen Angriffen, sondern als Grundlage für nachhaltige digitale Stabilität.
Trotz des Aufwands sieht der Mittelstand den Nutzen: 51 Prozent der deutschen KMU begrüßt die Richtlinie. Und das zurecht, denn NIS2 schafft keine neuen Probleme, sondern adressiert bereits bestehende Risiken. Wer jetzt handelt, vermeidet Haftungsrisiken, hohe Bußgelder und sichert sich Wettbewerbsvorteile.
Digital-Omnibus der EU verlangt anpassungsfähige Compliance-Strukturen
Die im November letzten Jahres vorgestellte EU-Digital-Omnibus-Reform adressiert zentrale Bereiche des Datenschutzes, der Datennutzung und der KI-Regulierung und führt zu einer eng verflochtenen Compliance-Landschaft. Ein Punkt der neuen „To Do“-Liste: Die innovationsfreundlichere Gestaltung von KI-Regeln und die Modernisierung von Cookie-Regeln.
Datenschützer sehen hier die Gefahr des Rückschritts in Sachen digitaler Grundrechte. Für KMU könnte das Reformpaket dagegen eine Entlastung darstellen. Vorausgesetzt, sie stellen ihre Datenschutz- und Compliance-Maßnahmen so auf, dass diese sich flexibel an Neuerungen anpassen lassen.
Automatisierung und vernetzte Systeme als Wettbewerbsfaktor
Angesichts der steigenden Komplexität von Regularien und Cyber-Bedrohungen gewinnt die Vernetzung von Datenschutz-, IT-Sicherheits- und Compliance-Prozessen erheblich an Bedeutung. Sie schafft Transparenz, reduziert operative Risiken und ermöglicht eine agile Anpassung an neue Vorgaben.
Nur so können Unternehmen effizient und skalierbar auf Veränderungen reagieren. Laut einer aktuellen PwC-Umfrage kann ein „Connected Compliance“-Ansatz mit besserer Vernetzung und Koordination Entscheidungen erleichtern, mehr Transparenz schaffen und insgesamt die betriebliche Compliance-Kultur stärken.
Digitale Souveränität als „Must Have“
Auch 2026 werden geopolitische Spannungen Unternehmen zunehmend dazu bringen, ihre digitale Infrastruktur „souverän“ zu gestalten. Strategische Unabhängigkeit von globalen Tech-Giganten und die Nutzung europäischer Alternativen werden hier zu einem zentralen Wettbewerbsfaktor – besonders aus Compliance- und IT-Sicherheitsperspektive. Aber auch Konsumenten könnten dies künftig vermehrt fordern: Laut Bitkom wünschen sich 98 Prozent der Bundesbürger mehr digitale Unabhängigkeit Deutschlands.
Gleichzeitig schätzen 93 Prozent der Unternehmen Deutschland aktuell stark, bzw. eher abhängig, von digitalen Technologien und Leistungen aus dem Ausland ein. Somit wird Digitale Souveränität im neuen Jahr klar zur strategischen Geschäftsentscheidung. Verantwortliche sollten bei jeder Software-Implementierung europäische Alternativen in Betracht ziehen und die wichtigsten Bausteine ihres Tech-Stacks auf diese Alternativen umstellen.
KI-Regulierung rückt in den Mittelpunkt
Künstliche Intelligenz bleibt 2026 sowohl Wachstums-, als auch Risikofaktor. Die KI-Regulierung EU-AI-Act, der weltweit erste umfassende Rechtsrahmen für KI, bringt neue Anforderungen an Risikomanagement, Transparenz und Dokumentation mit sich. Nach der formalen Verabschiedung und Vorstellung im Sommer 2024, tritt dieser nun schrittweise in Kraft.
Unternehmen sollten ihre bisher genutzten Systeme prüfen und eine zentrale Übersicht über den Einsatz aller KI-Technologien im Unternehmen schaffen, etwa in Form eines Asset Hubs. Ab August 2026 kommen weitere Pflichten für Hochrisiko-KI hinzu – darunter Konformitätsbewertungen, ein strukturiertes Risikomanagement und die Registrierung entsprechender Systeme. Zudem rücken Transparenzanforderungen für Deepfakes und Chatbots sowie spezifische Vorgaben für Basismodelle in den Fokus.
Unabhängig davon sollten Firmen ihre KI-Risiken konsequent steuern, auf sichere Konfigurationen setzen und den gesamten Lebenszyklus ihrer KI-Systeme nachvollziehbar dokumentieren. Unternehmen müssen KI-Systeme nicht nur regulierungskonform einsetzen, sondern auch systematisch überwachen und in bestehende Sicherheits- und Datenschutzprozesse integrieren.
Gleichzeitig könnte der digitale Omnibus vieles einfacher gestalten, KI-Kompetenzpflichten sollen etwa gelockert werden. Trotzdem gilt für Betriebe Vorsicht beim Einsatz von KI. Denn auch Cyber-Kriminelle beschäftigen sich zunehmend mit der Technologie. Um Gefahren von Schatten-KI oder Schadcode zu reduzieren, bleiben Awareness-Schulungen über die Vor- und Nachteile der Technologie auch 2026 essenziell, genauso wie die enge Zusammenarbeit mit externen KI-Experten, um keine Entwicklung zu verpassen.
Alexander Ingelheim ist CEO und Mitgründer von Proliance.
Proliance