Dienstleistungsunternehmen müssen ihre Zeit dringend neu investierenDienstleistungsunternehmen und ihre Transformation
17. Juni 2026
Unternehmen auf Cloud-basierten Plattformen sind produktiver, jedoch zwingen operative Ineffizienzen die Teams zu längeren Arbeitszeiten – deutsche Firmen bilden bei der Cloud-Modernisierung das Schlusslicht. Zu diesen Ergebnissen kommt eine Studie von Pierre Audoin Consultants (PAC).
Die internationale Studie untersucht die Herausforderungen, vor denen Dienstleistungsunternehmen bei der Transformation stehen. Dazu hat Unit4 die Marktforscher von Pierre Audoin Consultants beauftragt. Demnach geben 60 Prozent der Befragten an, dass ihr Arbeitsvolumen in den nächsten zwölf Monaten zunehmen und/oder komplexer werden wird, was den dringenden Bedarf zur Modernisierung von Geschäftsprozessen unterstreicht.
Gleichzeitig fällt es den Unternehmen schwer, die Zeit zurückzugewinnen, die für die Behebung operativer Ineffizienzen und Fehler aufgewendet wird. Die Folgen: Verzögerungen bei der Projektabwicklung und Überstunden für die Teams. Besonders deutsche Dienstleister sind gefordert: Sie weisen mit 22 Prozent die geringste Verbreitung moderner, vollständig integrierter Cloud-Plattformen aller untersuchten Länder auf.
Eine Gruppe der weltweiten Befragten zeigt einen möglichen Weg in die Zukunft auf: 33 Prozent geben an, dass sie ihre Unternehmen auf modernen, integrierten, cloudbasierten Plattformen betreiben und daher weniger Zeit für die Korrektur von Fehlern aufwenden.
Im Vergleich zum globalen Durchschnitt verzeichnen diese Vorreiter bei der Einführung Cloud-nativer Technologien weniger Fehler in der Finanzberichterstattung (führende Unternehmen: 29 Prozent; globaler Durchschnitt: 37 Prozent) sowie bei der Budgetierung und Prognose (führende Unternehmen: 28 Prozent; globaler Durchschnitt: 36 Prozent). Unternehmen in den USA sind bei der Einführung cloudbasierter Systeme am weitesten fortgeschritten (36 Prozent), verglichen mit Deutschland (22 Prozent), das die geringste Akzeptanz aufweist. Unternehmen aus dem Bereich Business and Professional Services sind bei der Einführung der Cloud am weitesten fortgeschritten (43 Prozent) und liegen damit vor IT-Dienstleistern (36 Prozent).
Unternehmen im Bereich der professionellen Dienstleistungen stehen möglicherweise vor dem größten Wendepunkt ihrer Geschichte, da technologische Umbrüche und volatile wirtschaftliche Bedingungen Kunden dazu veranlassen, den Einsatz von Beratungskompetenz neu zu bewerten. Die Untersuchung von PAC zeigt, warum die Modernisierung von Kernprozessen führenden Unternehmen einen Vorteil in Bezug auf Produktivität und die Reduzierung von Zeitverlusten durch manuelle Prozesse und Fehlerkorrekturen verschafft. Angesichts des zunehmenden Wettbewerbs erkennen Unternehmen, dass es entscheidend ist, die Auswirkungen auf ihre Belegschaft zu begrenzen, um Talente zu binden und Projekte effizienter abzuwickeln.“
Fragmentierte IT erfordert manuelle Umgehungslösungen
30 Prozent der Befragten weltweit geben an, dass es aufgrund betrieblicher Ineffizienzen häufig oder regelmäßig zu Verzögerungen bei der Projektabwicklung kommt; bei IT-Dienstleistern sind es sogar 34 Prozent, verglichen mit nur 25 Prozent bei Unternehmens- und Fachdienstleistern. In den nordischen Ländern ist der Anteil derjenigen, die regelmäßige Unterbrechungen bei der Projektabwicklung angeben, mit 34 Prozent am höchsten, verglichen mit 26 Prozent in Kanada.
Der Zustand der IT-Infrastrukturen könnte auf eine mögliche Ursache hindeuten, da 66 Prozent zugeben, auf fragmentierte Anwendungsumgebungen angewiesen zu sein, und 19 Prozent sogar auf mehrere Systeme zurückgreifen, die manuelle Arbeit und Tabellenkalkulationen erfordern – eine Zahl, die in Deutschland auf 30 Prozent steigt. Daher ist es nicht verwunderlich, dass sich viele Teams darüber beschweren Überstunden leisten zu müssen und dafür eine Reihe von Gründen anführen, darunter:
- 68 Prozent – Engpässe beim Monats- oder Quartalsabschluss,
- 59 Prozent – inkonsistente Datenmodelle und
- 55 Prozent – veraltete Technologie.
Verlorene Zeit für den Kundenkontakt
47 Prozent sind gezwungen, Zeit mit der Korrektur von Stundenzetteln zu verbringen, während Teams Überstunden in Bereichen wie Kontenabstimmung (37 Prozent), Projektkosten- und Rentabilitätsmanagement (37 Prozent) sowie Projektzeitplanmanagement (36 Prozent) leisten müssen. Mehr als ein Viertel (28 Prozent) der kundenorientierten Fachkräfte verbringt mehr als 30 Prozent der Arbeitswoche mit administrativen Aufgaben, anstatt sich auf ihre Kernarbeit zu konzentrieren.
IT-Dienstleistungsunternehmen haben die größten Probleme mit Überstunden: 40 Prozent müssen regelmäßig über die Kernarbeitszeit hinaus arbeiten, um Aufgaben wie die Verwaltung von Stundenzetteln, Budgetierung und Prognosen sowie die Kontenabstimmung zu erledigen. Dies ist besorgniserregend, da die Befragten aus dem IT-Dienstleistungsbereich auch am ehesten angeben, dass ihre Arbeitsbelastung in den nächsten 12 Monaten zunehmen und/oder komplexer werden wird.
Einheitlicher Blick über Unternehmensdaten
Die Befragten geben an, dass sie sich für das kommende Jahr drei Geschäftsziele gesetzt haben: Umsatzsteigerung, Bindung der besten Talente und Verbesserung der Kosteneffizienz. Folglich investieren sie kurzfristig in drei Hauptbereiche: die Modernisierung von Betriebsmodellen, die Automatisierung sich wiederholender, manueller Arbeit und die Verbesserung der Integration, um eine einheitliche, konsistente Sicht auf die Daten zu schaffen.
88 Prozent der Befragten geben an, dass dieser letzte Investitionsbereich die Prozesse ihres Unternehmens verbessern wird, während 86 Prozent sagen, dass er die Vorhersagbarkeit der Geschäftsleistung verbessern wird. Es ist zudem offensichtlich, dass erhebliche Anstrengungen zur Automatisierung von Kernprozessen erforderlich sind, da 25 Prozent noch nicht mehr als 20 Prozent ihrer Kernsysteme automatisiert haben – ein Anteil, der bei Prozessen im Ressourcenmanagement, in der Personalbeschaffung, im Talentmanagement und in der Kompetenzentwicklung auf 30 Prozent steigt.
Mehr als 60 Prozent erwarten zudem positive Auswirkungen durch KI, wobei 33 Prozent der Meinung sind, dass sie die Funktionsweise von Projekten und Ressourcenmanagementprozessen grundlegend verändern wird. 43 Prozent glauben, dass sie ihre Fähigkeit zur Analyse kritischer Daten verbessern und die Prognosen optimieren wird. Die Umsetzung dieser Investitionen wird auch für eine weitere strategische Priorität entscheidend sein, da 59 Prozent angeben, dass die Bindung ihrer besten Talente von entscheidender Bedeutung ist. Wenn professionelle Dienstleistungsunternehmen Prozesse automatisieren und den Verwaltungsaufwand reduzieren können, wird dies zu einer besseren Arbeitserfahrung führen.
Die PAC-Methodik
Pierre Audoin Consultants befragte 500 Teilnehmer aus Unternehmen der professionellen Dienstleistungsbranche in vier Teilsektoren: Managementberatung, IT-Dienstleistungen, Unternehmens- und Fachdienstleistungen sowie Architektur und Ingenieurwesen. Die Befragungen fanden zwischen März und April 2026 statt.
Die Teilnehmer stammten aus Unternehmen mit 250 bis 5.000 Mitarbeitenden und verteilten sich zu gleichen Teilen auf Führungskräfte aus den Bereichen Business und Digital/IT. Die Befragten kamen aus den USA, Großbritannien, den nordischen Ländern, den Benelux-Staaten, Deutschland und Kanada. Auf Deutschland entfielen 17 Prozent der Stichprobe, also rund 85 befragte Entscheiderinnen und Entscheider.
Donna Dobson ist Director Professional Services bei Unit4.