Studie: Dringender Modernisierungsbedarf bei 83 Prozent trifft auf trügerische Sicherheit bei 86 ProzentOptimistische Selbsteinschätzung trotz Bremswirkung eigener Kernanwendungen

17. Juli 2026

Vier von fünf Unternehmen geben zu, dass ihre Altsysteme den wirtschaftlichen Erfolg erheblich oder merklich bremsen. Das geht aus dem aktuellen Report „Anwendungsmodernisierung” des IT-Dienstleisters Adesso hervor. Trotzdem halten 86 Prozent dieselben Kernanwendungen für die nächsten fünf Jahre für gut aufgestellt.

Diese Diskrepanz lässt sich kaum mit dem tatsächlichen Zustand der Systeme erklären. Naheliegender ist der Zusammenhang damit, dass eine Modernisierung lange als zu aufwändig, zu teuer und zu riskant galt. Für den IT-Dienstleister ist genau das der wunde Punkt, den die Umfrage unter 300 Verantwortlichen in deutschen Unternehmen offenlegt.

Ein System, das läuft, wird als zukunftsfähig erachtet. Ob es jedoch auch das nächste Geschäftsmodell trägt, wird selten hinterfragt.

Bekannter Bedarf, gescheute Umsetzung

Das Problem ist nicht, dass Unternehmen keinen Handlungsbedarf sehen. Bereits 73 Prozent modernisieren ihre IT-Systeme und weitere 24 Prozent planen dies. Vielmehr haben sich Unternehmen lange nicht an solche Vorhaben herangetraut, da es viele Beispiele für ausufernde oder gescheiterte Projekte gibt.

53 Prozent der Unternehmen nennen die Kosten als größter Bremsfaktor, 35 Prozent nennen fehlende interne Ressourcen oder Expertise und 31 Prozent das Risiko von Betriebsunterbrechungen. Dabei steigt der Modernisierungsdruck auf die Unternehmen zunehmend: Mit jeder Fachkraft, die ein System über Jahre betreut hat und in den Ruhestand geht, geht auch das Wissen über dessen historisch gewachsene Besonderheiten verloren.

Hinzu kommt der Anspruch, die eigenen Kernanwendungen für neue Technologien und veränderte Geschäftsmodelle fit zu machen – eine Anforderung, der viele Altsysteme strukturell nicht mehr gewachsen sind. 43 Prozent der Unternehmen nennen die fehlende oder eingeschränkte Integration neuer Technologien wie KI in ihre Bestandssysteme explizit als Treiber für ihre Modernisierungsvorhaben.

Agentische Arbeitsweisen verändern die Modernisierungslogik

Genau bei diesen Hürden macht Agentic AI den Unterschied. Was Analystinnen und Analysten früher in Wochen erarbeiteten, übernehmen KI-Agenten heute im Tandem mit Architektur- und Entwicklerteams in einem Bruchteil der Zeit. Durch die automatisierte Analyse von Code, Architektur und Datenmodellen werden Abhängigkeiten und technische Schulden von Altsystemen bereits vor Beginn des eigentlichen Projekts sichtbar.

Dadurch sinkt der Aufwand, die Zeit bis zur ersten belastbaren Entscheidung wird verkürzt und Risiken werden früher erkennbar als mit klassischen Analysemethoden. Die Verantwortung bleibt dabei immer bei den Menschen: Sie bewerten die Ergebnisse, treffen geschäftskritische Entscheidungen und stellen sicher, dass fachliches Wissen nicht verloren geht.

Agentic AI eröffnet bei der Anwendungsmodernisierung völlig neue Möglichkeiten. Das gesamte Verhältnis von Aufwand, Risiko und Nutzen verschiebt sich. Analysen, für die früher Monate benötigt wurden, liefern KI-Agenten heute in wenigen Tagen. Mit unserem Vorgehensmodell adSCAILE sehen wir in der Praxis, dass sich die gesamten Modernisierungskosten um 30 bis 60 Prozent gegenüber klassischen Ansätzen senken lassen. Das ist ein enormer Fortschritt, der dringende Modernisierungsvorhaben endlich wirtschaftlich macht.

Oliver Kowalke ist Leiter des Geschäftsbereichs Cross Industries bei der Adesso SE.

Zu den vollständigen Studienergebnisse bei Adesso

Lesen Sie auch