Im Interview: Christian Lenz, PROFI Engineering Systems AG „Daten in Echtzeit auf jedem Endgerät nutzen“

10. März 2017

Der Umstieg auf S/4HANA wird von der SAP als Konversion bezeichnet – und ist weitaus mehr als eine Migration. Im Gespräch mit line-of.biz (LoB) skizziert Christian Lenz, Geschäftsbereichsleiter SAP bei der PROFI Engineering Systems AG, welche Fehler bei einem derartigen Umstieg entstehen können und wie sich diese vermieden lassen.

Echtzeitfähigkeit

LoB: Welche Chancen und Möglichkeiten bietet SAP HANA?
Lenz: Neue Geschäftschancen durch neue Möglichkeiten, Daten nahezu realtime jederzeit auf jedem Endgerät nutzen zu können. Hier sind besonders die Fachabteilungen gefordert sich zu überlegen, welchen Geschäftsvorteil sie durch neue Funktionen unter Nutzung der neuen Technologien in der SAP HANA Plattform erzielen und sich von Mitbewerbern abheben können. SAP bietet mit der HANA-Plattform ideale Voraussetzung ihre vorgedachten Funktionen und Lösungen zu nutzen. Aber auch die Möglichkeit eigene Lösungen zu entwickeln oder auf die Zusatzlösungen von SAP Partnern zurückzugreifen. Hierbei darf, soll oder muss völlig neu gedacht werden. Denken sie z.B. an das Beispiel des HANA Referenzkunden der SAP, der nicht mehr nur Kompressoren baut und verkauft, sondern mit den neuen Technologien ein gänzlich verändertes Geschäftsmodell anbietet, bei dem seine Endkunden „nur noch“ für die genutzte komprimierte Luft zahlen.

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LoB: Wer kann von SAP HANA und S/4HANA profitieren?
Lenz: Die Frage lautet nicht mehr, wer von SAP HANA oder von S/4HANA profitieren kann, sondern vielmehr, wann man umsteigt und damit die Möglichkeit schafft, davon zu profitieren. SAP HANA ist mittlerweile in der zweiten Generation auf dem Markt und ist als eine stabile, bewährte Trägerplattform für die neuen Lösungen wie S/4HANA. Ich sehe SAP HANA oder S/4HANA besonders für Kunden interessant, die schnell, flexibel und agil auf ihre Marktherausforderungen reagieren müssen oder sich mit innovativen Lösungen einen Wettbewerbsvorteil verschaffen möchten.

LoB: Welche wirtschaftlichen Vorteile haben Unternehmen durch die Nutzung?
Lenz: Unsere Erfahrung ist, dass sich ein wirtschaftlicher Nutzen rein aus dem Umstieg auf die SAP HANA In-Memory-Datenbank bzw. die SAP HANA Plattform nur schwer erzielen lässt. Es geht vielmehr darum, sich unter Zuhilfenahme der neuen Technologie Geschäftsvorteile zu verschaffen. Hier liegt die eigentliche Chance wirtschaftlichen Nutzen zu ziehen. Geben sie den Strategen, Fach- und IT-Abteilungen den Freiraum, gänzlich neu und quer zu denken und selbst bisher für unmöglich gehaltenes Geschäftsideen und -szenarien anzudenken.

Auswahlkriterien

LoB: Was ist bei der Auswahl der passenden Lösung für ein Unternehmen zu beachten?
Lenz: Natürlich wird nicht jedes Unternehmen gleichermaßen Vorteile aus der Nutzung von S/4HANA ziehen können. Dennoch ist man als SAP Kunde gut beraten, sich in seiner IT-Bebauung nicht zu weit von den aktuellen SAP-Lösungen zu entfernen. Besonders, wenn man SAP Lösungen umfänglich einsetzt und die Vorteile des integrierten Datenmodells ausschöpfen kann. Neue Funktionen wird SAP vornehmlich in ihren neuen Produkten einfließen lassen.

LoB: Was ist in diesem Kontext von dem Bezug der Software aus der Cloud zu halten?
Lenz: Der Cloud-Ansatz der SAP bietet hier die Chance eine SAP-Bebauung kundenindividuell zu optimieren. In der Regel für kleinere SAP Umgebungen, oder besser gesagt weniger komplexe, bietet sich die Option die SAP-Systeme komplett in die Cloud von SAP (oder einem ihrer Partner) zu migrieren und betreiben zu lassen. Aber als sinnvoller erachte ich einen hybriden Cloud-Ansatz, bei dem nur Systeme, Prozesse und Lösungen ausgelagert werden, die nicht vornehmlich die Kernkompetenz des jeweiligen Unternehmens unterstützen. Warum sollte beispielsweise die Lohn- oder Reisekostenabrechnung eines produzierenden Unternehmens nicht ausgelagert werden können, wohingegen die Systeme zur Steuerung der Produktion, der Logistikkette oder die kaufmännischen Planung und Buchhaltung vor Ort in der Oberhoheit des Unternehmens verbleiben.

LoB: Welche Rolle fällt dabei einem Systemhaus wie der PROFI AG zu?
Lenz: Die Berater der PROFI unterstützen bei der Auswahl und Bewertung des kundenindividuell passenden Sourcing- und Betriebsmodells. Das sowohl aus Sicht ihrer Geschäftsprozesse, der SAP Anwendung und der technischen Plattform.

Konversion

LoB: Wie sieht die technische Migration aus?
Lenz: Die technische Migration ist im Grunde die o.g. heterogene Systemkopie (oder OS/DB Migration) nach SAP HANA. Sie nutzt die langjährig bewährten Werkzeuge und Vorgehensweisen der SAP. Die Überprüfung und ggfs. die Schaffung der technischen Voraussetzungen ist der zwingende erste Schritt vorab. Sollten umfangreiche Vorprojekte notwendig sein, können sie die Zeitpläne der eigentlichen Transition nach S/4HANA erheblich verzögern. Da IT-Teams solche Umstiege i. d. R. nicht regelmäßig durchführen, setzen sie auf externe Unterstützung durch erfahrene Berater. Bedenken Sie auch, dass sich die Betriebsprozesse und die Administration der neuen Umgebung verändern. So werden viele Kunden erstmals mit Linux als Betriebssystem oder dem Handling einer In-Memory-Datenbank konfrontiert. Zumindest in der Anfangsphase ist zu überlegen auch für den Betrieb der HANA-Umgebung die Erfahrung von Externen einzukaufen. Egal, ob es sich um Wissenstransfer im Sinne von individuellen Workshops handelt oder sie auf einen Managed Service für Betrieb und Administration ihre SAP HANA Lösungen zurückgreifen. PROFI bietet all dies in ihrem Dienstleistungs- und Service-Portfolio an.

LoB: Wie und wo greift die PROFI AG bei dem Thema ein?
Lenz: Im Idealfall findet im Vorfeld eines SAP HANA-Projektes der bereits erwähnte PDW statt. Voraussetzungen zum Umstieg prüfen, die Ziellandschaft planen und eine erste Zeit- und Budgetplanung für das Projekt ist hier der Fokus. Es sollten hier gegebenenfalls auch die strategischen Überlegungen diskutiert werden, die Einfluss auf die neue SAP-Landschaft nehmen könnten. Oftmals wird die Transition nach SAP HANA genutzt, die IT-Landschaft zu konsolidieren und Prozesse zu harmonisieren. Nicht zuletzt um eine schlankere und kostengünstigere SAP-Landschaft zu erhalten. Generell agiert PROFI bezogen auf SAP HANA als Komplettanbieter. Das umfasst die Bereiche Sizing, Beschaffung und Installation der IT-Infrastrukturen (Server, Storage), die Planung und Durchführung von HANA Transition-Projekten, das Anbieten von Managed Services für Betrieb und Administration von SAP HANA Landschaften sowie den Wissenstransfer und das Training in kundenspezifischen SAP HANA-Workshops.

LoB: Wo sehen Sie das größte Verbesserungspotential?
Lenz: Transitionprojekte nach SAP HANA oder S/4HANA werden oft noch als reine IT-Projekte gesehen. Dem ist nicht mehr so, zumal wenn sie Geschäftschancen und Geschäftsnutzen steigern sollen. Erfolgversprechend ist es daher frühzeitig die Unternehmensstrategen, die Fachabteilungen und die IT-Teams in einem gemeinsamen Projektteam zusammen zu bringen. (rhh)

Christian Lenz

ist Geschäftsbereichsleiter SAP bei der PROFI Engineering Systems AG.

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