Migrationsprojekte und die Plattformfrage„HANA on Power“ als der Königsweg

3. Februar 2019

Bei typischen S4/HANA-Systemen darf man eine typische Entwicklung nicht übersehen: Es handelt sich um das exponentielle Wachstum bei den Datenbeständen, vor allem wenn man die im Zuge der digitalen Transformation neuartige Geschäftsprozesse umsetzen will. Hier spielen die Datenbestände – und vor allem der Echtzeitzugriff auf diese Informationen – eine dominierende Rolle. Daher sollte bei einer Migrationsentscheidung immer auch die Frage beantwortet werden, auf welche Hardware-Architektur man künftig seine S4/HANA-Welt betreiben möchte.

Im Umfeld der SAP-Anwenderunternehmen ist die Migration von der traditionellen Business Suite auf S4/HANA ein heißes Thema: Nur wenige haben ihre Produktivsysteme schon umgestellt, viele exerzieren mit „Teilprojekten“ im HANA-basierten Segment, um erste Erfahrungen zu machen. Doch der Großteil der Unternehmen wartet noch immer ab – wohlwissend, dass SAP – Stand heute – den Support für die traditionelle Business Suite im Jahr 2025 einstellen will.

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Im Rahmen des Investitionsreport der DSAG für 2019 (Deutschsprachige SAP Anwendergruppe e.V.) wurde auch in der aktuellen Auflage an die Anwenderunternehmen die Frage gestellt, welche Vorgehensweise die Mitglieder bei der Umstellung der Business Suite auf S/4HANA einschlagen. An den Ergebnissen lässt sich ablesen, dass die Unternehmen weitreichende Pläne in dieser Hinsicht haben: 5 Prozent wollen in diesem Jahr noch umstellen. 39 Prozent in den kommenden drei Jahren (ein Plus von 6 Prozentpunkten gegenüber der Befragung im Vorjahr). Weitere 30 Prozent haben Migrationsprojekte nach diesem Zeitraum (das sind 10 Prozentpunkte mehr als 2018) geplant.

„Bis auf ein Viertel haben die Firmen eine klare Entscheidung für die Umstellung getroffen“, deutet Marco Lenck, Vorsitzender der DSAG,  die Ergebnisse. „Trotzdem stockt die Rate derer, die Projekte realisiert haben. Diese bleibt bei 3 Prozent“. Das könnte daran liegen, dass Firmen aktuell Projekte initiieren, die länger dauern, oder auf Brownfield-Implementierungen setzen, bei denen der Komplettumzug von einem System ins andere komplex ist. Oft wurde aber auch der Aufwand zunächst falsch eingeschätzt.

In Zusammenhang mit Investitionen für Digitalisierungsbestrebungen differenzieren DSAG-Mitgliedsunternehmen weiterhin zwischen bestehenden und neuen Geschäftsmodellen. Der Fokus auf bestehende Geschäftsprozesse ist dabei erneut gestiegen (+5 Prozentpunkte) und erreicht damit 90 Prozent. „Viele Unternehmen beschäftigen sich mit dem ERP und das bedeutet, sie betrachten bestehende Geschäftsprozesse. Das erklärt die hohe Anzahl an geplanten S/4HANA-Projekten, wird S/4HANA doch oftmals mit Digitalisierung gleichgesetzt“, erklärt Marco Lenck. Investitionen in neue Geschäftsmodelle schätzen über zwei Drittel der Befragten als wichtig ein. Damit steigt ihre Relevanz um 2 Prozentpunkte.

Die Plattformfrage

Bei einem Umstiegsprojekt sollten sich Unternehmen allerdings genau überlegen, auf welcher Plattform sie künftig S4/HANA-basierte Anwendungen zum Einsatz bringen. Dazu gibt es zwar die Vorgabe, dass HANA bzw. S/4HANA auf Linux zum Einsatz kommen soll. Doch derzeit sind zwei verschiedene Prozessorarchitekturen zertifiziert: Die x86-Schiene (mit den Xeon-basierten Systemen) und die POWER-Architektur, die IBM ins Rennen schickt.

Bei der ursprünglichen Entwicklung der In-Memory-Datenbank HANA setzten die Entwickler am Hasso-Plattner-Institut (HPI) zunächst auf die Xeon-Prozessorarchitektur von Intel. Bei HANA handelte es sich um einen kompletten Neuanfang für SAP – zuvor wurden zumeist Datenbanken von Drittherstellern wie Oracle, IBMs DB2 oder Microsofts SQL Server als Basis für die Datenhaltung eingesetzt. Durch den Umstieg auf ein neuartiges Datenbankmodell konnten viele alte Zöpfe abgeschnitten und auf innovative Konzepte gesetzt werden.

Bei den Entwicklungsarbeiten rund um HANA hat sich allerdings herausgestellt, dass die Variante „HANA on Power“ eine vielversprechende Alternative zum Einsatz auf der Xeon-Architektur darstellte. Der Grund: Bei Intel wurde die Xeon-Architektur für die breite Masse an Server-Anwendungen konzipiert. Dabei spielen die vergleichsweise einfachen Ein- und Zweiprozessorsysteme nach Stückzahl eine wichtige Rolle.

Denn die Hyperscaler-Cloud-Anbieter, wie Amazon oder Google, forderten möglichst günstige Einstiegssysteme. Die Stoßrichtungen bei IBMs Power-Architektur sieht dagegen anders aus: Im Fokus stehen die Systeme, auf denen „datengetriebene Applikationen“ laufen sollen. Dazu gehören unternehmenskritische Kernanwendungen wie ERP- oder CRM-Systeme, aber auch Big Data-Anwendungen, aber auch neuartige Applikationen wie künstliche Intelligenz oder Blockchain-basierte Architekturen.

Aus dem Hause IBM stammt die Aussage: Die Power8-Generation und die mittlerweile aktuelle Power9-Linie wurden speziell für die Verarbeitung großer Datenmengen entwickelt. Dazu gehört eine sehr hohe Prozessor-Memory-Bandbreite – sie liegt um den Faktor vier höher als bei Intels x86-Architektur. Zudem biete Power9 mehr Cache – um den Faktor fünf mehr Cache als x86 – sowie eine hohe Performance. Sie soll um den Faktor zwei pro Core in relevanten Benchmark betragen und bis zu Faktor vier bei realen Workloads. Zudem kommt bei der Power9-Achitektur mehr Flexibilität ins Spiel. Dazu kommt die Virtualisierungsschicht Power-VM zum Einsatz, mit der sich hohe Zuverlässigkeit durch Redundanz erzielen lässt.

HANA on Power

Aufgrund der vielen Vorteile der Power-Architektur kam es bei SAP zu einem Umdenken: Seit Ende 2015 ist Hana auf IBM Power Systems mit der damals aktuellen Power8-Architektur und den entsprechenden Prozessoren verfügbar. Heute gilt das auch für die aktuelle Prozessorgeneration, die Power9.

Bei typischen S4/HANA-Systemen darf man eine typische Entwicklung nicht übersehen: Es handelt sich um das exponentielle Wachstum bei den Datenbeständen, vor allem wenn man die im Zuge der digitalen Transformation neuartige Geschäftsprozesse umsetzen will. Hier spielen die Datenbestände – und vor allem der Echtzugriff auf diese Informationen – eine dominierende Rolle. Hier zeichnet sich ab, dass eine „HANA on Power“-Architektur sich nicht nur durch eine hohe Stabilität und Verfügbarkeit, sondern auch durch günstigere Kosten – berechnet nach dem TCO-Modell – auszeichnet.

Hochverfügbarkeit und Redundanz

Die Virtualisierungstechnik PowerVM bringt eine hohe Flexibilität bei Power-Systemen mit sich und erlaubt die gleichzeitige Ausführung mehrerer Umgebungen. So kann ungenutzte Kapazität aus der produktiven Umgebung auch für die Entwicklung oder etwa für Benutzerakzeptanztests verwendet werden.

Verglichen mit anderen Architekturen erzielen IBM-Power-Systeme größere Effizienz aus gemeinsam genutzten Ressourcen. IBM Power bietet die Ausfallsicherheit, die Hana- Kunden für kritische Workloads verlangen. Aufgrund von Features und Funktionen für Zuverlässigkeit, Verfügbarkeit und Wartungsfreundlichkeit in der Power-Architektur sind diese Systeme ideal für die HANA-Welt geeignet.

Zertifikation für den HANA-Einsatz

SAP hat hohe Anforderungen an die IT-Infrastruktur formuliert, wenn auf ihr HANA und die zugehörigen Anwendungen laufen sollen. Diese Vorgaben dienen dazu, dass bestimmte Größen eingehalten werden, so dass das komplette System auch mit einem sinnvollen Antwortverhalten läuft. Dazu gibt es bei SAP entsprechende Vorgaben.

Die einfachste Hardware-Basis für HANA ist der Appliance-Ansatz. Dabei kommen vorgefertigte dedizierte Systeme für die HANA-basierten Anwendungen zum Einsatz. Doch diese Herangehensweise ist in vielen Fällen nicht optimal. Viele Unternehmen wollen „eigene“ Hardware einsetzen und dabei verschiedene Module kombinieren. Das hat SAP ebenfalls vorgesehen – dazu gibt es die Zertifizierung nach den Vorgaben der Tailored Datacenter Integration (TDI). Auf einen kurzen Nenner gebracht erlaubt es dieser Ansatz, mit flexibleren, eigens zusammengestellten Konfigurationen SAP HANA zertifiziert und somit auch offiziell Unterstützt zu betreiben.

Interessanter Nebeneffekt: Damit wird sozusagen die gesamte Power-Plattform für HANA zertifiziert. Sprich ein Hersteller wie IBM muss nicht jeden Server einzeln zulassen und bei geringsten Änderungen neu absegnen lassen, wie das bei Appliances der Fall ist. Wenn neue Releases auf den Markt kommen wie Power9, werden die schon in der Entwicklungsphase gemeinsam getestet, und danach wird der Dokumentationsstand bei SAP schnell aktualisiert in Form der SAP-Notes. Für die Server auf der Basis von Power9 ist das bereits geschehen. (rhh)

Hier geht es zu IBMs HANA On Power-Site

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