Sicht der User auf das ERP-System SAP S/4HANASAP S/4HANA – Cloud oder nicht Cloud, das ist hier eine der Fragen

5. Februar 2019

Seit der Markteinführung 2015 hat S/4HANA bereits in zahlreichen Unternehmen den Praxistest bestanden. Allerdings halten sich viele Firmen, die die Vorgängerlösungen von SAP bereits nutzen, mit der Umstellung auf S/4HANA zurück. Doch was sind ihre Gründe dafür? Arvato Systems und das Marktforschungs- und Beratungsunternehmen PAC (Pierre Audoin Consultants) haben eine Studie zu diesem Themenkomplex erstellt.

Warum entscheiden sich Unternehmen pro oder contra SAP S/4HANA, welche Forderungen und Erwartungen haben potenzielle Nutzer an die neue Anwendungs-Suite von SAP und ob sie eine Migration oder die Neuimplementierung der SAP-Systeme bevorzugen – diese Fragen adressiert die Studie von PAC. Ein weiterer Themenkomplex dreht sich um „die Cloud“: Sollten Unternehmen bei der Einführung von S/4HANA nicht gleich auf eine On-Premises-Version verzichten und in die Cloud gehen?

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Seit einiger Zeit sind Cloud-Anwendungen in deutschen Unternehmen auf dem Vormarsch. Im Fall der Nutzung von SAP S/4HANA stellt sich die Situation allerdings etwas anders dar.

Nur vereinzelte SAP-Wolken am ERP-Himmel: Lediglich für 8 Prozent der Teilnehmer käme überhaupt eine ausschließliche Cloud-Edition in Frage. Ihnen stehen 60 Prozent gegenüber, die ausschließlich auf die On-Premises-Variante setzen. Dabei hat eine Cloud-Lösung durchaus aufgeholt, wie niedrigere Gesamtbetriebskosten (TCO) und ein schnellerer Return on Investment, verbesserte Governance und Compliance durch eine höhere Standardisierung und frühzeitige Release Upgrades zeigen.

Cloud Computing ist vor allem Vertrauenssache: Zahlreiche Untersuchungen und Umfragen haben bereits ergeben, dass das größte Hindernis für Cloud-Anwendungen in der deutschen Wirtschaft massive Bedenken in Hinblick auf Sicherheit und Datenschutz sind. Diese Themen treiben auch die Teilnehmer an der vorliegenden Studie „SAP S/4HANA in Deutschland“ um. Die Mitautoren von PAC vermuten überdies, dass manchen der interviewten Unternehmen in der Cloudversion Funktionen fehlen, etwa im Bereich der Fertigungssteuerung, oder man befürchtet, dass ein cloudbasiertes System nicht genügend Möglichkeiten zum Customizing hat.

Selbstverständlich gibt es auch Pluspunkte auf der On-Premises-Seite. So behält man weiterhin die Kontrolle über den Source Code und den Betrieb, kann den Source Code verändern, ist selbst verantwortlich für die Upgrades und entscheidet, wo das System gehostet wird: im eigenen Rechenzentrum, beim Hosting-Partner oder beim Hyperscaler. Dazu kommt die oft einfachere Integration eines lokalen SAP-Systems in die vorhandene IT-Landschaft.

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Quelle: Arvato Systems/PAC

Für die Cloud gibt es bei vielen Unternehmen bezüglich Compliance & Governance noch Handlungsbedarf, was durchaus ein wichtiger Grund ist, zunächst nicht in die Cloud zu gehen. Generell ist die Cloud nichts für Unternehmen, die ihre Daten im eigenen Haus behalten wollen. Nach der vorliegenden Studie wäre von den 60 Prozent, die sich für die SAP S/4HANA On-Premises-Edition entscheiden, mehr als jeder zweite dafür, die Software im Eigenbetrieb – in-house – zu betreiben, während rund ein Drittel SAP-Outsourcing-Dienste nutzen möchte.

Der Hybride für die „Verstreuten“: 12 Prozent der Studienteilnehmer gaben an, dass für sie die gleichzeitige Nutzung beider Versionen – On-Premises und Cloud – denkbar ist. Eine mögliche Erklärung wäre, dass es sich dabei um Unternehmen mit mehreren Standorten handelt: die Firmenzentrale würde ein On-Premises-SAP-System nutzen, während sie ihren Niederlassungen das ERP-System via Cloud zur Verfügung stellt, da sich die Software so schneller aufspielen, updaten und warten lässt.

Die Unentschlossenen: Ein erheblicher Teil – fast ein Fünftel – hat sich in puncto Cloud noch nicht festgelegt. Möglicherweise haben sich diese Unternehmen einfach noch nicht hinreichend mit der Thematik befasst oder aber sie benötigen zusätzliche Informationen.

Doch bevor es überhaupt um ‚Cloud oder nicht Cloud‘ geht, muss man sich erst einmal für das neue SAP-Release entscheiden. Und da sind sich viele Unternehmen noch gar nicht so sicher.

Was für S/4HANA spricht

Die Befragten sehen im neuen SAP-System viel Potenzial. Die Studie hat ergeben, dass

  • sich rund 66 Prozent der Befragten durch S/4HANA eine signifikante Beschleunigung ihrer Prozesse und Datenanalysen versprechen,
  • über die Hälfte erwartet, dass von der Softwareimplementierung eine Art Initialzündung ausgeht, um die vorhandenen SAP-Anwendungen und Infrastrukturen zu modernisieren und
  • für 48 Prozent mit S/4HANA sowohl eine gesteigerte Benutzerfreundlichkeit, höhere Flexibilität und verbesserte Anpassbarkeit als auch eine Kostenreduzierung des SAP-Betriebs einhergehen.

Fast ein Drittel der Firmen hat folgerichtig die Migration zu S/4HANA bereits abgeschlossen, steckt mittendrin oder hat sie zumindest eingeplant. Bei den Angaben, was gegen das System spricht, bleiben die Befragten eher vage. Viele, fast 70 Prozent, sorgen sich, ob sie das Aufwand-Nutzen-Verhältnis wirklich richtig einschätzen können.

Zudem sehen über die Hälfte der Firmen derzeit für sich keinen überzeugenden Anwendungsfall und 40 Prozent aktuell keinen Mehrwert des Systems für ihr eigenes Unternehmen. Mit zunehmendem Wissen über die Performance von S/4HANA und mehr Business Cases, die den Mehrwert der Anwendung in der Praxis aufzeigen, wird S/4HANA sicher weiter an Zuspruch gewinnen. Die Studie offenbart schließlich auch, dass nur eine Minderheit von 7 Prozent entschlossen ist, auf Anwendungen eines Drittanbieters zu migrieren.

Wo knirscht es im bestehenden SAP-Getriebe?

Nur ein agiles Unternehmen schafft es, sich immer wieder an die sich schnell wandelnden Erfordernisse des Marktes anzupassen. Mehr Beweglichkeit und eine schnellere Reaktion auf Veränderung sind gefragt. Die IT-Werkzeuge müssen da natürlich mithalten.

Das sieht die Mehrheit der Studienteilnehmer genauso: 76 Prozent würden S/4HANA vor allem deshalb einführen, um SAP-Prozesse flexibler und agiler zu machen. Zumal über 60 Prozent von einer großen Herausforderung sprechen, wenn es darum geht, mit ihren bestehenden SAP-Systemen innovative Geschäftsanforderungen schneller umzusetzen bzw. ihre ERP-gestützten Prozesse besser auf die aktuellen Notwendigkeiten auszurichten.

Dazu kommt, dass fast jeder Zweite nach eigener Aussage ein SAP-System benötigt, das sich leichter anpassen lässt. Auch mit der Nutzerfreundlichkeit der Vorgängerversionen ist man unzufrieden: fast die Hälfte der Befragten bemängelt zu komplexe Benutzeroberflächen.

Neugierig, wie die Anderen ticken?

Es gibt also genügend gute Gründe, die Vorteile von S/4HANA – etwa die einfachere Handhabung und die sehr viel schnellere Datenanalyse – für sich zu entdecken. Mehr zu diesem Themenkomplex, unter anderem wer die typischen Treiber für den Wandel zu S/4HANA in einem Unternehmen sind und auf welchem Weg die Umstellung bevorzugt erfolgen würde (Stichwort Greenfield versus Brownfield), findet sich in der Vollversion der Studie. Der Leser erfährt dann auch, welche Fachbereiche sich die meisten Vorteile durch S/4HANA erhoffen, welche Anforderungen an externe Projektpartner gestellt werden und welche zusätzlichen SAP-Produkte am meisten nachgefragt sind.

Frank Brinkmann ist Vice President SAP Consulting bei Arvato Systems.

Studie „SAP S/4HANA in Deutschland“

Es wurden rund einhundert Führungskräfte und SAP-Verantwortliche aus deutschen Unternehmen, die mindestens 1.000 Mitarbeiter beschäftigen, telefonisch interviewt. Mehr als ein Viertel der Befragten nutzt bereits die Plattform SAP HANA, etwa als Datenbank für das Data Warehouse (SAP BW). Die Umfrage fand im Mai und Juni 2018 statt. 43 Prozent der Firmen gehören dem verarbeitenden/produzierenden Gewerbe an. Die anderen 57 Prozent zählen zu den Branchen Dienstleistung, Handel und Verkehr.

Die Studie steht direkt bei Arvato Systems zur Verfügung

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