Manufacturing IT-Trends 2027: Technische Herausforderungen und Chancen für die deutsche Fertigungsindustrie
5. November 2026
Drei IT-Trends werden die Fertigungsindustrie im Jahr 2027 beschäftigen. Das zentrale Thema dabei ist die wertschöpfende Operationalisierung von KI in der Fertigungspraxis. Das betrifft einzelne Anwendungen ebenso wie die übergreifende Integration verschiedener Lösungen und Systeme. Zudem ist zu erwarten, dass die Public Cloud als Betriebsmodell für Manufacturing Execution Systeme (MES) nicht mehr infrage gestellt wird. Und als dritter Aspekt kommt hinzu, dass Logistik und Supply Chain Management ganz im Zeichen von mehr Flexibilität stehen, um Lieferketten auf ihrer ganzen Länge schnell an spontane Anforderungen anpassen zu können.
Alle drei Trends vereint die Tatsache, dass sie datengetrieben sind. Mehr denn je beeinflussen deshalb Datenqualität und Datenmanagement die Wettbewerbsfähigkeit und den Erfolg am Markt.
KI muss in der Produktion zum Wertschöpfer werden
Die Phase der bloßen Proof of Concepts und theoretischen Diskussionen ist vorbei. 2027 ist das Jahr, in dem es für die Fertigungsindustrie darum geht, wertschöpfende Anwendungen in der Produktion zu etablieren. Dabei werden Transparenz innerhalb des MES und die Integration weiterer Systeme und Daten im Mittelpunkt stehen.
Direkt in den Shopfloor integrierte KI-Agenten ermöglichen Werkern dann beispielsweise den unkomplizierten Zugriff auf Maschinendokumente, Instandhaltungsdaten, Supporthistorien und auch öffentliche Internetdaten. Damit lassen sich Probleme schnell lösen, Ausfälle vorausschauend vermeiden und Parameter im Sinne besserer Performance anpassen.
Eine immer schneller wachsende Herausforderung des KI-Einsatzes sind die teils intransparenten Kostenstrukturen bei der Nutzung von LLMs (Large Language Models). Hinzu kommt, dass Preisanpassungen seitens der Anbieter zu erwarten sind, die ihrerseits von der Test- in die Monetarisierungsphase übergehen.
Entscheidend ist deshalb nicht allein die Performance eines KI-Agenten, der in einem MES zum Einsatz kommt, sondern auch der damit verbundene finanzielle Aufwand. Um Kosten zu optimieren, wird beispielsweise die Vorschaltung spezialisierter Multi-Agents an Bedeutung gewinnen, die Anfragen sortieren und gezielt an die geeigneten Systeme routen.
Public Cloud auf dem Weg zum Branchenstandard
Die Grundsatzfrage, ob geschäftskritische Systeme wie ein MES in einer Public Cloud betrieben werden können, tritt 2027 in den Hintergrund. Für viele Unternehmen geht es nun um Details der praktischen Umsetzung, die Auswahl des geeigneten Cloud-Anbieters oder die richtige Cloud-Nutzung.
In diesem Zuge verabschiedet sich die Mehrheit der Unternehmen auch von Individualentwicklungen und Customizing. „Fit to Standard“, bereits heute das Gebot der Stunde, wird 2027 zum Mainstream. Die Industrie hat erkannt, dass vorgegebene Standards wie von SAP helfen, Wartungskosten erheblich zu reduzieren. Ganz abgesehen davon, dass Standardsysteme laufend automatisch und ohne Projektaufwand aktualisiert werden und damit Zukunftssicherheit bieten.
Supply-Chain-Flexibilität als Wettbewerbsfaktor
Um sich im globalen Wettbewerb zu behaupten, müssen deutsche Industrieunternehmen extrem kurze Lieferzeiten und agile Lieferzusagen leisten können. Dafür müssen sie in der Lage sein, auf kurzfristige Herausforderungen in der Lieferkette reagieren zu können, wenn beispielsweise bestimmte Zulieferteile nicht wie geplant verfügbar sind oder nicht rechtzeitig ankommen.
Zusätzliche Lieferanten integrieren, Lagerkapazitäten neu priorisieren, weniger zeitkritische Aufträge zurückstellen, weitere Standorte für die Produktion einbinden, Extra-Schichten organisieren – manuell lassen sich solche Umplanungen mit all ihren Wechselwirkungen kaum und vor allem nicht schnell bewerkstelligen. Mithilfe moderner KI-gestützter Planungssysteme lassen sich Echtzeit-Szenarien bis hin auf die Ebene einzelner Bauteile durchspielen – 2027 gute Voraussetzung für Erfolg im globalen Wettbewerb.
David Förster ist Director Digital Supply Chain Services bei Syntax.