Im Interview: Reno Uhl, prego services „Nicht nur ein technologischer Umstieg“

10. März 2017

Bei einem Umstieg von einem SAP ERP ECC System auf S/4HANA findet nicht nur ein Wechsel der Datenbank statt, sondern es verändern sich auch Tabellenstrukturen. Deshalb spricht man eher von einer Konversion, also einer Umwandlung.

Reno Uhl, Fachbereichsleiter ERP beim auf SAP spezialisierten IT-Dienstleister prego services, verdeutlicht im Interview mit line-of.biz (LoB) die Herausforderungen und Best Practices beim Wechsel auf SAP S/4HANA.

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Herausforderungen

LoB: Was sind Ihrer Erfahrung nach die größten Herausforderungen bei der Migration auf SAP S/4HANA?
Uhl: Migration ist streng genommen nicht ganz der richtige Ausdruck. Bei einem Umstieg von einem SAP ERP ECC System findet nicht nur ein Wechsel der Datenbank statt, sondern es verändern sich auch Tabellenstrukturen. Deshalb spricht man eher von einer Konversion, also einer Umwandlung. Zur eigentlichen Frage: Es handelt sich nicht nur um einen technologischen Umstieg. Für die Endanwender bedeutet SAP S/4HANA auch eine komplette Änderung ihrer Arbeitsweise und Veränderungen in den Prozessabläufen. Sie haben es nicht nur mit neuen Oberflächen, etwa SAP Fiori, zu tun, auch FI und CO sind zusammengewachsen. So spiegeln sich beispielsweise von Controllern vorgenommene interne Verrechnungen direkt auf FI-Konten wieder. Das muss untereinander abgestimmt werden.

LoB: Wie schnell lässt sich die Konversion absolvieren?
Uhl: Der Faktor Zeit kann eine weitere große Herausforderung sein, wenn die neue Business Suite schnell zur Verfügung stehen muss. Auch die vorhandene Systemlandschaft ist unter Umständen herausfordernd. Vor allem größere Unternehmen haben oft mehrere SAP-Systeme nebeneinander im Einsatz. Je mehr Systeme, desto komplexer ist natürlich auch das Projekt.

LoB: Wie sollten Unternehmen den Umstieg angehen?
Uhl: Sie sollten sich unbedingt zuerst ihre Grundmotivation klarmachen. Geht es vor allem um die neuen Lösungen von SAP S/4HANA, beispielsweise für Reporting oder die Benutzerführung? Oder soll der Umstieg auch genutzt werden, um Altlasten wie ausufernde Eigenentwicklungen loszuwerden oder die Systemarchitektur zu konsolidieren? Solche Aspekte gilt es abzuwägen; dann ist die Grundsatzentscheidung zu treffen, ob überhaupt eine Conversion durchgeführt werden soll, oder ob nicht ein Greenfield-Ansatz, also eine komplette Neuimplementierung, der bessere Weg ist.

Konversion angehen

LoB: Welche Vorgehensweise hat sich bei der Konversion bewährt?
Uhl: Wichtig ist, rechtzeitig die technischen Systemvoraussetzungen zu schaffen. Hat man ein Non-Unicode-System im Einsatz, muss es erst einmal auf Unicode umgestellt und auf den aktuellsten Release-Stand gehoben werden. Erst dann kann die Transition selbst erfolgen – und deren Schritte sind sorgfältig zu planen.

LoB: Was fällt darunter?
Uhl: Dazu gehören die Anpassung der ABAP-Programme an die Logik der HANA-Datenbank, der Austausch der Datenbanken, die Einführung der neuen Haupt- und Anlagenbuchhaltung und schließlich die Implementierung, das Customizing und der eigentliche Umstieg auf SAP S/4HANA. Dieses Vorgehen hat sich beispielsweise bei der Konversion des Stadtwerks am See in Friedrichshafen bewährt, die wir unterstützt haben.

LoB: Wie sieht es um die Qualifizierung der Benutzer aus?
Uhl: Wenn ein Unternehmen das System selbst betreiben will, muss es nach dem Umstieg noch das nötige interne Know-how aufbauen. Es gilt Mitarbeiter für die Administration der Hard- und Software auszubilden und sich um passende Berater und Entwickler für die Pflege zu kümmern. Lagert es den Betrieb an einen spezialisierten Dienstleister aus, kann es sich das natürlich sparen.

Aufwandsabschätzung

LoB: Mit welchem Zeitaufwand ist bei einer Konversion zu rechnen?
Uhl: Das ist pauschal schwer zu beantworten, weil es stark von der vorhandenen Systemlandschaft abhängt. Geht man aber von SAP ERP ECC 6.0 Non-Unicode aus, nimmt die Konversion zu SAP S/4HANA etwa ein halbes Jahr in Anspruch. Bei einem höheren Ausgangsstand ist es auch schneller möglich.

LoB: Was muss ein Dienstleister mitbringen, um Unternehmen beim Umstieg optimal unterstützen zu können?
Uhl: Er muss über umfassende Kompetenzen und Erfahrungen in Sachen SAP, HANA und S/4HANA verfügen – und das auch belegen können. Beispielsweise durch Zertifikate wie SAP Certified in Hosting Services und SAP Certified in SAP HANA Operations Services. Soll er das System darüber hinaus betreiben, sollte er auch ein ISO-27001-Zertifikat für sein Informationssicherheits-Management innehaben. Idealerweise kann er außerdem bereits Referenzprojekte für den Umstieg auf S/4HANA vorweisen. (rhh)

Reno Uhl

ist Fachbereichsleiter ERP beim auf SAP spezialisierten IT-Dienstleister prego services.

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