S/4HANA Bereitstellungsmodell: Auf drei wesentliche Faktoren kommt es anEntscheidungshilfe SAP S/4HANA: Cloud oder On-Premise?

15. April 2020

Auch wenn SAP bei Wartung und Support für die SAP Business Suite 7 in die Verlängerung geht – die Entscheidung für SAP S/4HANA und das passende Bereitstellungsmodell sollte zügig getroffen werden, um in der digitalen Liga weiter oben mitspielen zu können. Eine Variante ist die S/4HANA Cloud Essential Edition (früher S/4HANA Cloud Multi Tenant, 2019 bzw. Public Cloud, vor 2018), die sich durch eine kürzere und kostensparende Implementierung auszeichnet. Doch für wen eignet sich diese und für wen ist die On-Premise-Lösung sinnvoller? Entscheidend sind drei Faktoren bei der Auswahl.

Wenn es um die Umstellung auf S/4HANA geht, lautet die Frage nicht mehr ob, sondern wann und wie der Wechsel erfolgt. Die Vorteile liegen auf der Hand: Auf Basis der In-Memory-Technologie und Integration aller Geschäftsbereiche lässt sich eine durchgängige Digitalisierung im Unternehmen realisieren, u.a. ergeben sich schnellere und automatisierte Prozesse sowie eine einheitliche, konsistente Datenbasis. IoT-Szenarien, Machine Learning und Predictive Analytics rücken in greifbare Nähe.

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SAP bietet S/4HANA als On-Premise oder Cloud-Version an. Jedoch stehen viele Unternehmen noch am Anfang. Dies zeigt die Lünendonk-Studie „Mit S/4HANA in die digitale Zukunft“ aus dem Jahr 2019 deutlich: Demnach erstellt die Hälfte der befragten Anwenderunternehmen aus dem D-A-CH-Raum Vorstudien und Business Cases für die Umstellung auf S/4HANA. Davon ausgehend werden Strategien für den Rollout im gesamten Unternehmen oder in einzelnen Funktionsbereichen entwickelt. Doch am Ende besitzen nur 30 Prozent der Befragten schon eine konkrete Roadmap für das Migrationsprojekt.

Nur 30 Prozent besitzen eine S/4HANA-Roadmap

Die zögerliche und vorsichtige Vorgehensweise hat viele Gründe, u.a. geringes Know-how, Kapazitätsengpässe und fehlende Referenzprojekte. Damit es allerdings nicht zu dem prognostizierten Projektstau ab dem Jahr 2022 kommt, sind Unternehmen gut beraten, sich frühzeitig um die S/4-Einführung zu kümmern. Auch die Support-Verlängerung für die Business Suite 7 ist weniger als ein Zeitgewinn anzusehen, sondern mehr als ein kleiner Puffer, um das Migrationsprojekt rechtzeitig anzugehen.

Denn je nachdem, welches S/4HANA-Modell in Frage kommt, müssen genügend Zeit und Ressourcen für die Migration eingeplant werden. Die Faustregel: Insbesondere bei On-Premise-Lösungen, die auf den kundeneigenen Infrastrukturen implementiert werden und einen hohen Grad an individueller Anpassbarkeit aufweisen, muss mit mehr Aufwand gerechnet werden.

Anders verhält sich es bei der Einführung einer S/4HANA Cloud Essential Edition, die sich durch eine schnellere und daher auch kostensparende Einführung auszeichnet. Eine Entscheidungshilfe kann hier bei der Auswahl unterstützen, um einerseits das passende Bereitstellungsmodell bzw. Deployment zu finden und um anderseits den Umfang des Migrationsprojekts besser einschätzen zu können.

Cloud oder On-Premise: Drei Faktoren bestimmen die Auswahl

Ob Cloud (Essential Edition oder Extended Edition vergleichbar mit der Private Cloud) oder eine On-Premise-Lösung – im Wesentlichen hängt die Entscheidung von folgenden Faktoren ab:

  • Branchenanforderungen: Aus welcher Branche kommt das Unternehmen? Welche Anforderungen ergeben sich dadurch und lassen sich diese mit S/4HANA abbilden? Wie spezifisch sind die Prozessanforderungen?
  • Komplexität der Geschäftsprozesse: Welche Strukturen weist das Unternehmen auf? Sind diese eher komplex organisiert oder handelt es sich um standardisierte Prozesse?
  • IT-Ressourcen: Über welche IT-Ressourcen verfügt das Unternehmen? Stehen sie ausreichend für ein Migrationsprojekt zur Verfügung? Wie sehen die Kapazitäten hinsichtlich Wartung und Anpassungen nach der Umstellung aus?

S/4HANA Cloud Essential Edition: kürzere Implementierung, schneller produktiv

Für Unternehmen, die standardisierte Prozesse u.a. in der Finanzbuchhaltung, Controlling, Vertrieb oder der diskreten Fertigung aufweisen, ist die S/4HANA Cloud Essential Edition die beste Option. Erprobte Szenarien werden direkt mit dem System ausgeliefert, an denen sich das Unternehmen orientieren kann. Insbesondere kleine und mittelständische Betriebe profitieren von dieser Lösung, da sie nur wenige Prozessanpassungen an den Standard vornehmen müssen.

Denn die S/4HANA Cloud Essential Edition verfügt über vorkonfigurierte Prozesse und automatisierte Upgrades sowie branchenspezifische Kernfunktionen, die quartalsweise zur Verfügung gestellt werden. IT-Betriebsprozesse sind also in der Public-Cloud-Infrastruktur der SAP ausgelagert, für die je User eine monatliche Gebühr zu zahlen ist. Die eigene IT wird entlastet, Extrakosten für Server, Storage oder sonstige Hardware entfallen. Zusätzliche Niederlassungen lassen sich problemlos in das zentrale IT-System integrieren.

Ein weiterer Vorteil: Die vorgefertigten Templates verkürzen die Implementierungsdauer. Im Vergleich zu anderen ERP-Implementierungen werden Hürden von Anfang an abgebaut, indem keine umfangreichen Vorab-Analysen, Lasten- oder Pflichtenhefte erstellt werden. Das bedeutet: Prozesse sind schneller und kostensparender aufgesetzt. Das spielt für KMU-Betriebe eine große Rolle, da sie oftmals nicht über die zusätzlichen IT-Ressourcen für ein Einführungsprojekt verfügen.

Der Umfang der Einführung hängt auch hier von der Anzahl der zu implementierenden Geschäftsbereiche aus dem ERP-System ab. Wichtig hierbei ist eine zeit- und kostensparende Methode. Mit der SAP Activate Methode beispielsweise lässt sich die S/4HANA Cloud Essential Edition in sechs Phasen zügig umsetzen. Je nachdem, wie gut die Geschäftsprozesse des Kunden mit den mitgelieferten, vorkonfigurierten Best-Practice-Prozessen der SAP übereinstimmen, kann der Go-Live bereits vier bis sechs Monate nach dem Kick-off gelingen. Unternehmen können so schnell produktiv ab der ersten Stunde arbeiten.

Eine alternative Variante der S/4HANA Cloud ist die Extended Edition (früher Single-Tenant oder Private Cloud). Hierbei stehen dem Unternehmen durch ein Mietmodell die gesamten S/4 HANA Prozesse für alle Branchen in voller Flexibilität zur Verfügung (wie On-Prem), während die Bereitstellung der Applikationsschichten an SAP ausgelagert (SaaS) ist.

S/4HANA On-Premise: Flexibel und individuell skalierbar

Unternehmen, die komplexe oder gar hoch individualisierte Geschäftsprozesse aufweisen die maßgeblich den Geschäftserfolg ausmachen, benötigen eine flexible Lösung, die sich individuell anpassen lässt. Das trifft beispielsweise auf Pharmaunternehmen zu. SAP S/4HANA On-Premise, ein klassisches Lizenzmodell, bietet hierbei den breitesten Funktionsumfang von SAP S/4HANA und wird auf den kundeneigenen Infrastrukturen implementiert. Dazu zählt die HANA-Datenbank, Applikationen, OS, Rechenzentrum Middleware, Server, Virtualisierung und Vernetzung.

Volle Flexibilität und Customizing bedeuten zum einen, dass sich das interne IT-Team des Kunden um Wartung, Updates und Anpassungen eigenständig kümmern muss. Das bindet Kapazitäten und kann teurer werden als die in der Cloud gehostete Variante von S/4HANA. Auch mögliche Anschaffungen für Hardware und Storage kommen als Kostenfaktoren hinzu. Zum anderen ist die Umstellung auf S/4HANA mit einem höheren Aufwand verbunden. Es müssen ausreichend IT-Ressourcen für das Migrationsprojekt zur Verfügung stehen. Voraussetzung für die Einführung ist eine präzise Analyse der Anforderungen und Geschäftsprozesse (System- und Prozessanalyse).

Viele Unternehmen haben „gewachsene“ Altsysteme und Eigenentwicklungen, die oftmals zu Herausforderungen bei einer technischen Umstellung führen. Je mehr Prozesse davon durch S/4HANA abgelöst werden, umso stärker wirkt sich die Anpassung auf den zeitlichen und finanziellen Aufwand aus. Deshalb lässt sich nicht pauschal sagen, wie hoch der Zeitaufwand für eine Migration auf S/4HANA On-Premise ist.

Die Implementierungsdauer hängt wesentlich von dem Umfang der zu migrierenden Geschäftsbereiche, der Strategie (Greenfield, Brownfield, Selective Data Transition) sowie der Methode des Implementierungspartners ab. Die itelligence-Projektmethodik bietet die Möglichkeit, bestehende Prozesse zu übernehmen sowie neue Funktionen vollständig zu integrieren. Unterstützung bieten hierbei das Analyse-Tool Extended Custom Code Check von itelligence sowie der SAP Readiness Check, um Ziele und den Weg für das Migrationsprojekt abzuleiten.

Unternehmen müssen entsprechend ihrer Strategie abwägen, welches Modell die geeignetste Lösung ist. Die entscheidenden drei Faktoren Branchenanforderungen, IT-Ressourcen und Komplexität der Prozesse bestimmen dabei letztlich die Richtung, ob eine S/4HANA-On-Premise-Lösung eher in Frage kommt oder die S/4HANA Cloud.

Ulrich Kreitz ist Head of SAP ERP Cloud Business bei itelligence.

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